Ein Tag im Leben der Abgeordneten Heike Sudmann

6:45 Uhr, Altona

Der Wecker klingelt. Heike Sudmann erinnert sich sofort an die Deutschen Ü50-MeisterInnenschaften im Basketball vom Wochenende: Ein stechendes Ziehen im rechten Knie ist die Quittung für erfolgreiche Assists, Blocks und Korbleger. Aber Heike Sudmann ist nicht nur politisch, sondern auch sportlich abgehärtet. Nach dem  Frühstück und Tape ums Knie geht es mit dem Fahrrad  zu ihrer Teilzeitarbeitsstelle an der Hamburger Straße.

Ihr Terminplan für heute: Aufgaben als Personalrätin erledigen, ab spätnachmittags Politik: Arbeit an ihrem BürgerInnenbrief und abends die Teilnahme an einer Expertenanhörung im Rathaus. In den „freien“ Zeiten hält sie als Fachsprecherin ihrer Fraktion für Stadtentwicklung, Verkehr und Wohnungspolitik Kontakt mit unterschiedlichen Initiativen, Vereinen, Stadtteil¬beiräten und interessierten BürgerInnen. Ihr erklärtes Ziel ist dabei, die BürgerInnenbeteiligung bei der Gestaltung der Politik vor Ort zu stärken. Immer wenn es möglich ist, findet ein Austausch – heutzutage vor allem per Mail – zum Stand aktueller Entwicklungen statt, oft auch auf Veranstaltungen vor Ort.

8:53 Uhr, Personalratsbüro


Mitten im Shopping-Center „Hamburger Meile“ hat die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) ihren Sitz. Dort hat Heike Sudmann im vierten Stock ihr Büro. Seit 2002 ist sie als Referentin für Gleichstellungsförderung und Schulentwicklung bei der BSB tätig, seit 2006 ist sie gewählte Personalrätin und mittlerweile freigestellte Personalratsvorsitzende.

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ – das ist Heike Sudmanns Motto. Und danach vertritt sie gemeinsam mit den zwölf anderen Personalratsmitgliedern die Interessen von rund 1500 Beschäftigten der BSB gegenüber der Arbeitgeberin – vergleichbar mit der Funktion der Betriebsräte in privaten Unternehmen.

Dauerthemen sind dabei der Personalabbau, Umstrukturierungen,  zunehmende Arbeitsbelastungen und die Privatisierung öffentlicher Aufgaben.
Heute bereitet Heike Sudmann unter anderem gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin die nächste Personalratssitzung vor. Danach berät sie einen Kollegen, der in Elternzeit gehen möchte, über seine Rechten und Pflichten gegenüber der Behörde.

13:05 Uhr, Kantine

Die meisten KollegInnen in der Schlange vor der Essensausgabe wissen, dass Heike Sudmann nicht nur Personalrätin, sondern auch Bürgerschaftsabgeordnete ist. Und so plaudern sie beim Mittagessen mit ihr nicht nur über aktuelle Geschehnisse in der Behörde, sondern auch über aktuelle politische (Fehl-)Entwicklungen in der Hansestadt. Mit einem süßen Nachtisch geht das etwas leichter. Dann setzt sich Heike Sudmann wieder an ihren Schreibtisch und schreibt Stellungnahmen für den Personalrat, bevor sie sich für den Rest des Tages bei ihrer Vertreterin abmeldet und wieder auf ihr Fahrrad schwingt. Trotz des getapten Knies braucht sie nur eine knappe Viertelstunde zu ihrem Abgeordnetenbüro in der Buceriusstraße.

15:12 Uhr, Abgeordnetenbüro


Telefonisch stimmt sich Heike Sudmann mit ihrem Kollege Tim Golke ab, der sein Abgeordnetenbüro in der Borgfelder Straße hat. Gemeinsam mit ihm gibt sie einen BürgerInnenbrief heraus. Mit diesem Online-Magazin berichten die beiden Abgeordenten etwa alle vier Wochen über das Parlamentsgeschehen und die politischen Auseinandersetzungen in Hamburg, mit einem besonderen Augenwerk auf den Bezirk Mitte. Einen Teil der Beiträge liefern engagierte Parteimitglieder und interessierte BürgerInnen. Heute stellt Heike Sudmann ihre Artikel fertig, die bislang nur als Entwürfe vorlagen. Dabei geht es um U-Bahn und Stadtbahn, die so genannte Busbeschleunigung  und den Lärmschutz in Wilhelmsburg. Danach geht das Ganze an das kleine Team, das den BürgerInnenbrief fertigstellt und an einige hundert AbonnentInnen verschickt. Dann ist es auch schon Zeit, zum nahe gelegenen Rathaus zu radeln.

17:00 Uhr, Rathaus

Im Rathaus stellen sich heute sechs Experten den Fragen der Abgeordneten im Unterausschuss „Personalwirtschaft und Öffentlicher Dienst“. Mit dabei sind auch 13 SenatsvertreterInnen aus unterschiedlichen Behörden und eine Vertreterin der Bürgerschaftskanzlei. Da auch 50 interessierte BürgerInnen und einige PressevertreterInnen anwesend sind, ist der Raum gut gefüllt. Gemeinsam mit der Abgeordneten Kersten Artus vertritt Heike Sudmann die Fraktion DIE LINKE.

Im ersten Tagesordnungspunkt geht es um die Einführung einer neuen Personalabrechnungs- und Personalverwaltungssoftware (ePers/KoPers) für die 130.000 MitarbeiterInnen der Stadt. Bereits 2006 gestartet, hat sich 2012 herausgestellt, dass die Pläne für die Umsetzung nicht einge¬halten werden konnten. Ein Gutachten stellte fest, dass von Anfang an viele Fehler gemacht worden sind. Bis jetzt läuft das Programm immer noch nicht wie geplant. Die Abgeordneten befragen die anwesenden ExpertInnen ausführlich zu den Problemen und zum Stand des Projekts. Ergebnis: Die vollständige Realisierung wird mehr Zeit als ursprünglich geplant in Anspruch nehmen, wodurch sich auch die Ausgaben erhöhen werden.

Dann kommt der Entwurf des Senats für ein neues Hamburger Personalvertretungsgesetz (HmbPersVG) dran. Nachdem jeder Sachverständige seine Eindrücke über die zurückliegenden Verhandlungen dargestellt hat, stellen die Abgeordneten ihre Fragen. Heike Sudmann hinterfragt unter anderem, warum angesichts der stetig steigenden Anforderungen an PersonalrätInnen – etwa im Bereich Informationstechnik (Stichworte: ePers/KoPers, JusIT) – deren Rechte zu Schulungs- und Freistellungszeiten nicht verbessert werden sollen. Und sie bemängelt, dass der Entwurf wieder keine Interessenvertretung für studentische Hilfskräfte vorsieht. Mehrere Experten nehmen hierzu Stellung.

Mit einer kurzen Pause geht dieses „Frage-Antwort-Spiel“ noch mehrere Stunden weiter. Am Ende stehen auch die SenatsvertreterInnen Rede und Antwort.

21:08 Uhr, Rathaus


Die Anhörung ist nach gut vier Stunden beendet. Heike Sudmann bespricht sich noch kurz mit Kersten Artus, dann radelt sie nach Hause. Dort wirft sie nochmal schnell den Computer an und beantwortet dringende E-Mails. Und dann geht es endlich ins Bett.