Als Hamburg in die Gänge kam

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DIE LINKE. Fraktion in der
Hamburgischen Bürgerschaft
Norbert Hackbusch
Rathausmarkt 1, 20095 Hamburg
Telefon 040 / 42831-2250
Telefax 040 / 42831-2255
email: info@linksfraktion-hamburg.de
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Layout: Karin Desmarowitz & Caroline Golz
Fotos: Karin Desmarowitz (S. 44: Roland Magunia)
Druck: Drucktechnik, www.drucktechnik-altona.de
Erscheinungsdatum: August 2010
Auflage: 4.000

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in der Hamburgischen Bürgerschaft
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"Als Hamburg in die Gänge kam"

Vorweg: Norbert Hackbusch

Es ist schon erstaunlich wie im Jahre 2010 alle politischen Parteien in Hamburg und auch die wesentlichen gesellschaftlichen Gruppen mit dem neuen Leben im Hamburger Gängeviertel poussieren. Darauf deutete im Frühsommer 2009 noch nichts hin. Damals gammelte das Gelände vor sich hin. Schon in den Wintern davor waren die alten Gebäude mehr oder weniger bewusst sämtlichen Wettereinflüssen ausgesetzt worden.

Der holländische Investor Hanzevast war froh darüber und der Senat ließ es geschehen. Nachdem  das  Quartier  2003  von  der  Finanzbehörde  im  Höchstpreisverfahren  verkauft worden war und die Gebäude seit Jahren als Spekulationsobjekte vor sich hinschimmelten, hegte Hansevast große Abriss und Neubaupläne für das Gängeviertel.
Zwar gab es einige Auflagen des Denkmalschutzamtes, aber im Wesentlichen stand der Plan: entkernte Fassaden und Glaskonstruktionen für Büropaläste. Auf diese Weise hat der Senat im Laufe der Zeit Fläche um Fläche in der Innenstadt umstrukturiert. Diesmal bekam der Investor glücklicherweise durch die Krise finanzielle Probleme und konnte seine Pläne nicht schnell umsetzen.

Im Sommer 2009 kannte kaum jemand in der Stadt die Reste des Gängeviertel-Geländes. Das sollte sich innerhalb weniger Tage ändern: Am 22. August  besetzte die Initiative „Komm  in  die  Gänge“ die Häuser mit diversen Kunstprojekten, Musik, Performances und Veranstaltungen. Innerhalb von zwei Tagen besuchten rund 3.000 Menschen das historische Quartier. Nach diesem Wochenende gingen die Akteure aber nicht einfach wieder weg, sondern hielten das Gelände weiter bespielt. Schirmherr wurde der Maler Daniel  Richter, Sohn der Stadt, und bei den herrschenden Parteien ein gewichtiges Argument. Das Hamburger Abendblatt berichtete freundlich über die Besetzung und listete die Bausünden der Stadt auf.

Die positive Leserreaktion machte die Zeitung – zum Erstaunen vieler – zu einem Unterstützer der Gängeviertel-Aktionen. Zwar ereiferte sich die CDU noch einmal heftig über den vermeintlichen „sozialistischen Streichelzoo“ und Farid Müller von der GAL warf den Akteuren „bornierten Kultursozialismus“ vor, aber das konnte den Zug nicht aufhalten. Das Gängeviertel wurde zum erfolgreichsten Beispiel der Bewegung „Recht auf Stadt“.

Schon vor der Gängeviertel-Besetzung kam in der Hamburger Zeitungslandschaft eine Diskussion über die Freie und Abrissstadt Hamburg auf. Gerade die Hamburger Innenstadt zeigt in frappierender Deutlichkeit, was passiert, wenn sich Spekulation und Höchstrenditen auf dem Grundstücksmarkt durchsetzen: Die letzten Reste von Geschichte verschwinden, die Stadt entsorgt ihre Seele. Die Summe all der umworbenen und hoch gepriesenen Glasbaufassaden mit maximaler Bruttogeschossfläche ist Ödnis, Langeweile und Gleichförmigkeit. Jeder Aspekt eines Denkmals ist verschwunden.

Die Gängeviertel-Besetzer sahen sich von Beginn an in historischer Verantwortung. Ihre Viertelrundgänge sind gespickt mit zahlreichen Informationen über die Geschichte der Häuser und des Stadtteils, die Arbeitssituation in den Gewerberäumen und die Lebensverhältnisse in den Kleinstwohnungen.  Dementsprechend gaben sie den Häusern und Räumen ihre Namen: Fabrik, Kutscherhäuser, Druckerei...

Die Künstler verstehen sich als offenes soziales Projekt: „Schon jetzt ist das Gängeviertel nicht mehr nur ein Gebäudeensemble, in dem Künstler ausstellen und arbeiten, sondern ein Raum für alle Bürger der Stadt. Und das soll erst der Anfang sein.“

siehe auch Presseerklärung vom 18. August

 zur Initiative "Gängeviertel" geht es hier