4. Juni 2012

Sozialpsychiatrischer Dienst

BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG  
Drucksache  20/4389
20. Wahlperiode  04.06.12

Große Anfrage
der Abgeordneten Kersten Artus, Tim Golke, Heike Sudmann, Norbert Hackbusch, Dora Heyenn, Christiane Schneider, Cansu Özdemir und Mehmet Yildiz (DIE LINKE) vom 04.06.12

Betr.: Sozialpsychiatrischer Dienst


Psychische Erkrankungen werden nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter zunehmen. Die aktuellen Daten der Krankenkassen belegen die Zunahme psychischer Erkrankungen. Der Krankenstand aufgrund psychischer Leiden hat sich bei Berufstätigen seit 1999 verdoppelt. So
entfielen auf 100 Versicherte im vergangenen Jahr 176 Fehltage wegen psychischer Krankheiten. Allein im Jahr 2008 sind 24.500 Hamburger und Hamburgerinnen wegen psychischer und Verhaltensstörungen vollstationär behandelt worden. Das waren bereits 16 Prozent mehr als noch 2003. Einen
hohen Versorgungsbedarf gibt es auch im ambulanten Bereich, weshalb Sonderbedarfszulassungen bereits vor längerer Zeit in freie Zulassungen umgewandelt wurden.

Der Senat hat sich in den letzten Jahren häufig mit Fragen der psychiatrischen Versorgung in Hamburg beschäftigt. Im Rahmen der Öffentlichen Daseinsvorsorge nimmt der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst eine wichtige Funktion wahr. Darüber hinaus kann  der Senat mit dem neuen Versorgungsstrukturgesetz Einfluss auf die Bedarfsplanung der Selbstverwaltung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg ehmen.

Wir fragen den Senat:
1.    Wie wurde der Sozialpsychiatrische Dienst in den einzelnen Bezirken personell und finanziell im Zeitraum 2003 bis 2011 ausgestattet? Bitte
jährlich ausweisen mit Stellenplan zu besetzten/nicht besetzten Stellen von Ärztinnen/Ärzten, Psychologinnen/Psychologen, Sozialarbeiterinnen/
Sozialarbeitern, anderen Fachkräften.
2.    Welche personellen und sächlichen Kosten, zum Beispiel für Fortbildungen, Fachtagungen et cetera, wurden im oben genannten Zeitraum jährlich zur Verfügung gestellt?
3.    Wie viele Personen wurden im Zeitraum 2003 bis 2011 vom Sozialpsychiatrischen Dienst betreut? Gab es geschlechter- oder alterstypische Häufigkeiten von psychischen Erkrankungen?  Wenn ja, welche?
4.    Wie gestaltet sich die Sektor übergreifende Zusammenarbeit zwischen Sozialpsychiatrischem Dienst, dem ambulanten und stationären Sektor hinsichtlich Differenzial-Diagnostik, Krisenintervention und Beratung? Gibt es eine Kooperation mit Psychosozialen Kontaktstellen?  Wenn ja, in welcher Form?
5.    Mit dem Jahr 2013 soll eine neue Bedarfsplanungsrichtlinie gültig sein. Wird der Senat von seinen Rechten zur regionalen Bedarfsplanung Gebrauch machen, und sich im Bereich der psychiatrischen Versorgung für eine bürgernahe und flächendeckende Versorgung einsetzen?