18. Juni 2013

"Harburger Anzeigen und Nachrichten": Ein Stück Hamburg geht veroren

(c) Niels Kreller

(c) Niels Kreller

Die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten der "Harburger Anzeigen und Nachrichten". Wir sind betroffen von der Einstellung des Titels. Die regionale Berichterstattung ist sehr wichtig für die Bevölkerung und wir können und werden nicht akzeptieren, dass der Journalismus immer mehr betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der Medienkonzerne unterworfen wird.

Mit der Einstellung der HAN geht ein Stück Hamburg verloren. Das erschüttert viele Menschen - zu Recht. Generationen sind mit ihr aufgewachsen, sie ist als Heimatzeitung ein fester Bestandteil von Harburg. Und viele gute Leute sind aus ihr hervorgegangen. Die HAN sterben zu lassen, ist ein falsches Signal für Pressevielfalt, Meinungsbildung und Identität.

Wir sind daher empört über die Entscheidung des Managements.

Wenn wir uns die digitale Entwicklung und die Wanderung der Werbung ins Internet ansehen, dann spricht einerseits vieles dafür, Blättern wie der HAN keine Zukunft zu geben. Gleichzeitig kritisieren wir die zurückhaltenden und damit falschen Strategien der Verleger, sich der Herausforderung für den Erhalt von gedruckten Zeitungen zu stellen.  Wir sind der Überzeugung, dass beides - Internet und Print - ausreichend Akzeptanz in der Bevölkerung hat. Vor allem der Lokaljournalismus hat eine Zukunft.

Der Grundfehler liegt unserer Meinung nach darin, den Belegschaften und ihren Interessenvertretung keine Mitbestimmung über die wirtschaftliche Entwicklung zu geben. In den Verlagen geht es ja noch einmal schlimmer zu, weil die Arbeitgeber den "Tendenzschutz" für sich in Anspruch nehmen. Der Betriebsrat ist mit seinen Rechten erheblich eingeschränkt. Damit ist gleichzeitig der Tunnelblick des Managements programmiert.

Wir befinden uns daher nicht in einer Zeitungskrise, sondern in einer Demokratiekrise der Medien. Wenn nur wenige bestimmen, wie die Existenz einer Zeitung und damit auch viele Arbeitsplätze, erhalten bleiben können, ist ds ergebnis immer schädlich für die Beschäftigten. Verleger aber genießen auf Grundlage des Artikel 5 GG besondere Privilegien, die sie nicht ausschließlich dem Profit unterordnen dürfen. Ansonsten haben sie ihr Recht verwirkt, diese Privilegien nutzen zu dürfen.

Wir stehen an Eurer Seite. Bitte meldet Euch, wenn wir konkret etwas für Euch tun können.

Solidarische herzliche Grüße,

Kersten Artus, medienpolitische Sprecherin

für die Fraktion DIE LINKE