1. Juni 2011

HSH-Nordbank auf Erfolgskurs?

Die HSH Nordbank macht weiter auf Optimismus. In ihrer Präsentation zum Ergebnis des 1. Quartals 2011 verweist das Management erneut auf positive Ergebnisse. Der gute Start ins Geschäftsjahr 2011 mit einem Gewinnausweis sei das Ergebnis erfolgreicher Sanierungsbemühungen.

Die HSH weist einen Konzernüberschuß von 126 Mio. Euro nach einem Verlust von 276 Mio. Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum aus. Die Bilanzsumme reduzierte sich auf 139 Mrd. Euro nach 150,9 Mrd. Euro zum Jahresende 2010. Die Risikovorsorge ist deutlich gesenkt worden.

Der Vorstandsvorsitzende Paul Lerbinger bekräftigte einen positiven Ausblick für die Zukunft der Bank. Seinen Ausführungen zufolge rechnet die HSH in 2011 mit weiteren Erfolgen in ihren Sanierungsbemühungen und mit einem Gewinn auch zum Jahresende 2011.

Jedoch: Ist diese Entwicklung das Ergebnis der aktiven Umstrukturierungsmaßnahmen?

Im Zwischenbericht wird deutlich, daß das Institut im 1. Quartal von dem sich allgemein erholenden Marktumfeld und auch von der Entwicklung des Dollars profitierte. Die Sanierungsbemühungen wirken sich noch nicht im notwendigen Maße auf Ergebnisverbesserungen der operativen Geschäftstätigkeit der Bank aus. Die Kernbank soll nach Abspaltung von problematischen Wertpapierbeständen, Geschäftsfeldern und Beteiligungen in einer >bad bank< künftig in den Sektoren Schiffsfinanzierungen, Flugzeugleasing und regenerativen Energien ein positives Ergebnis erwirtschaften. Auch die Unternehmen in der Region sollen künftig in der restrukturierten Bank einen verlässlichen Geschäftspartner finden. Aber bislang ist dieses neue Geschäftsmodell eher Zukunftsmusik.

Aufgrund der positiven Konjunkturentwicklung und der damit verbundenen Aufwärtsbewegung in den Schifffahrtsmärkten und den Wertpapierbörsen wurde der größte Beitrag zum positiven Gesamtergebnis aus dem Wertpapiergeschäft erwirtschaftet. Die  Erholungen bei Wertpapierportfolios und fortgeschrittenen Portfoliobereinigungen konnte die Bank bereits gebildete Risikovorsorgepositionen in einer Größenordnung von 319 Mio. Euro wieder auflösen. Diese sind ertragswirksam in die Gewinn- und Verlustrechnung der HSH Nordbank eingeflossen und haben somit maßgeblich zum ausgewiesenen positiven Zwischenbilanzergebnis beigetragen.

Die EU-Kommission hat von der Bank ein neues, nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell gefordert. Um dieser Forderung nachkommen zu können, hätte die Bank in ihrem Tätigkeitsfel    d „Regionalbank“ und somit zukunftsträchtigen Teil der Kernbank deutliche Fortschritte zeigen müssen. Dieses ist jedoch noch nicht erkennbar. Das positive Quartalsergebnis vor Steuern der Kernbank über 13 Mio. Euro nach einem Verlustausweis im vergleichbaren Vorjahreszeitraum von 60 Mio. Euro ist wie in den anderen Teilbereichen auch durch Auflösung von in Vorperioden gebildeten Risikovorsorgen erzielt worden. Dividendenzahlungen an ihre Aktionäre hat die Bank erst für 2012 prognostiziert.

Die zum positiven Konzernergebnis beigetragenen Steigerungen sind im Sektor „Spezialbank“ erzielt worden. Das Ergebnis vor Restrukturierung hierzu ist gestiegen auf 275 Mio. Euro nach einem Verlustausweis über 40 Mio. Euro in Q 1 2010. Jedoch ist auch hier ein erheblicher Effekt durch Auflösung von Risikovorsorgen erzielt worden. Der Ergebnisbeitrag aus dieser Auflösung beträgt allein schon 177 Mio. Euro.

Hinzuweisen ist an dieser Stelle auf folgende Ausführungen des Zwischenberichtes zum 1. Quartal 2011:

  • Die Bank stellt ausweislich „zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen“ in einer Größenordnung von 1,434 Mrd. Euro dar. Diese Vermögenswerte werden laut Zwischenbericht „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ in den nächsten 12 Monaten verkauft.
    Hiermit ist ausreichend Manövriermasse geschaffen worden, um für das Geschäftsjahr 2011 einen Gewinnausweis herbeisteuern zu können.
  • Das Kreditinstitut hat im Rahmen strukturierter Transaktionen Kundenkredite zu Verbriefungen zusammengeschnürt in einer Größenordnung von 756 Mio. Euro und diese an die Europäische Zentralbank für weitere Aktivitäten verpfändet.

Grundsätzlich sind durchaus positive Tendenzen in der Entwicklung der HSH Nordbank erkennbar.

Die Bank hat jedoch nach wie vor riesige Probleme zu lösen.  

Der Ausgang des EU-Beihilfeverfahrens ist noch völlig offen und die Bank weist Zuwächse schwerpunktmäßig in denjenigen Teilbereichen ihrer Geschäftsfelder aus, die ehemals zu der massiven Schieflage der Bank geführt haben. Die Bank konnte nur mit öffentlicher Milliardenhilfe vor dem Untergang bewahrt werden.

Der Zustand und der gezeigte Ausblick der Bank lassen immer noch daran zweifeln, daß das Institut den turn-around aus eigener Wirtschaftskraft nachhaltig schaffen wird.