13. Mai 2014

Zombie-Bank HSH – wie erlöst man eine „Untote“?

Mark Fiore: Zombie Bank

Mark Fiore: Zombie Bank

Joachim Bischoff und Norbert Weber

Was ist eine Zombie-Bank? Ein Finanzinstitut, das ein negatives Reinvermögen hat. Solche Banken sind technisch insolvent. Zombie-Banken überleben nur mit Staatshilfe, daher auch die Verwendung der Bezeichnung „Zombie“: Ein Zombie ist ein untotes Wesen, das als seiner Seele beraubtes, willenloses Wesen herumgeistert. Der Kern des Zombie-Mythologems ist die abergläubische Vorstellung, dass Verstorbene nicht nur als Gespenst, sondern durchaus körperlich in die Welt der Lebenden zurückkehren, als „Untote“. Sie sind, so der Glaube, den Lebenden gegenüber meist böse gesinnt und daher unheimlich. Sei es, weil sie sich für erlittenes Unrecht (zum Beispiel Störung ihrer Totenruhe) rächen wollen; sei es, weil ihre Seele auf Grund ihres Lebenswandels nicht erlöst wurde.

Eine Zombie-Bank hat eine große Anzahl von leistungsschwachen oder notleidenden Aktiva in ihrer Bilanz. Wenn diese Vermögenswerte ordnungsgemäß oder marktgerecht bewertet würden, dann müsste die Bank nach gängigem Rechtssystem vom Markt verschwinden. Das Management einer Zombie-Bank versucht, diese Abschreibungen hinauszuzögern und bestehende Probleme zu verschweigen, da es sonst sofort zu einem „Bank Run“ kommen würde. In diesem Fall wäre die Bank nicht nur überschuldet, sondern auch illiquide – also zahlungsunfähig. Das Management setzt in dieser Konstellation auf staatliche Unterstützung und wird durch beständige Zuschüsse am Leben erhalten. Die finanziellen Ressourcen der öffentlichen Hand werden zum Erhalt eines Untoten eingesetzt, während an vielen Stellen des Gemeinwesens Armut und Not so groß sind, dass sie nicht mehr kaschiert werden können.

Eigenkapital fast vollständig vernichtet

Für die HSH Nordbank setzte das Zombie-Dasein nach dem kritischen Bankenjahr 2008 ein: Der Jahresverlust von fast 3,2 Milliarden Euro vernichtete das vorhandene Eigenkapital weitgehend; nur durch einen Kapitaleinschuss der Haupteigentümer (die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein) sowie Garantien der bundeseigenen Auffanganstalt SoFFin konnte die Bank weiterhin ihr Unwesen treiben. Seither hat sie, abgesehen von einem Jahr mit einem Kleinstertrag, weitere gut zwei Milliarden Euro verbrannt, die Bilanzsumme ist mittlerweile halbiert und unter den Aktiva befinden sich über sechs Milliarden Euro Schiffskredite in einem notleidenden Zustand.

Verantwortlich für die Transformation der einstigen Landesbank in einen untoten Wiedergänger ist vor allem der neoliberale CDU-Regionalfürst Dr. Peiner, Finanzsenator a.D. und ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der HSH Nordbank. Peiner hat in seiner langjährigen Amtszeit die Konsolidierung des Hamburger Haushalts vorangetrieben. Er verkaufte städtisches Vermögen wie etwa größeren Immobilienbesitz und die Krankenhäuser. Er hat politische Mehrheiten dafür organisiert, das Vermögen der Stadt aktiv umzuschichten. Aus altem Vermögen – auch alten Liegenschaften – sollte auf den internationalen Kapitalmärkten neues Vermögen geschaffen und neue Schwerpunkte gesetzt werden. So könnte trotz Investitionen in die Zukunft die Neuverschuldung reduziert werden, behauptete Peiner. Die öffentlichen Unternehmen sollten den langfristigen Standortinteressen der Stadt dienen. Deshalb hat Peiner Kriterien für die Privatisierung öffentlicher Unternehmen entwickelt. Beispiele hierfür sind bereits die Privatisierung der Restbeteiligung an den HEW und die Fusion der Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein zur HSH Nordbank.

Sein Meisterstück und zugleich seine desaströse Niederlage war die Transformation der Landesbank in eine international aufgestellte Kapitalmarktbank. Übersetzt: Man hatte sich vom arbeitsintensiven regionalen Geschäft in der Provinz längst verabschiedet, das große Geld lockte. In ihrer Gier und ihrem Größenwahn hatten die Provinzbanker der HSH Nordbank tatsächlich geglaubt, das große Rad weltweit drehen zu können. 2003 als Fusion der beiden Landesbanken Hamburgs und Schleswig-Holstein gestartet, holte bereits 2007 die Realität die Banker auf den Boden der Tatsachen zurück: Die Bank war schlichtweg an die Wand gefahren worden! 2008 mussten die Länder mit viel Steuergeld und öffentlichen Garantien die Bank vor dem Ruin retten. Milliarden Euro an Steuergeld wurden in die Bank versenkt. 2009 sollte aber alles anders werden. Nun sei man die „Bank für Unternehmer“, man wurde nicht müde den Eindruck zu erwecken, die gesamte regionale Wirtschaft wäre auf die HSH Nordbank angewiesen. Den wenigen Kritikern warf man das Argument entgegen, die Bank sei schließlich „systemrelevant“ und müsse einfach am Leben gehalten werden.

Riskante Deals und dubiose Geschäftspartner

Jetzt, im sechsten Jahr nach der wahnsinnigen Rettungsaktion der Bank, sieht die Situation der HSH Nordbank wie folgt aus: Das „neue Geschäftsmodell“ der Bank greift nur ansatzweise. Um überhaupt Neugeschäft generieren zu können, läßt sich die Bank auf riskante Deals und dubiose Geschäftspartner ein, die sonst kein Wettbewerber anpacken will. Das versprochene Regionalprinzip? Fehlanzeige! Im Gegenteil, im vergangenen Jahr hat die Bank etwa 10.000 Bestandskunden vor die Tür gesetzt, im Übrigen auch hochsolvente Firmenkunden. Die offizielle Begründung lautete, man hätte eine Mindestjahresumsatzgröße von 50 Millionen Euro je Kunde eingezogen – wer weniger umsetzt, darf nicht mehr Kunde bei der HSH Nordbank sein. Nun ist diese Umsatzgröße so eine Sache. Laut Statistikamt existieren in der Groß-Metropolregion um Hamburg weniger als 300 Unternehmen in dieser Umsatzgröße, zudem umwerben auch alle anderen Banken diese Zielkunden.

So bleibt es natürlich nicht aus, dass die HSH Nordbank nach wie vor auf der Stelle tritt. Resultat dieser „Aufbauarbeit“ ist, dass die Bank erneut hohe Ergebnisverluste ausweisen muß. Im kürzlich veröffentlichten Jahresabschluß 2013 weist die HSH Nordbank einen Verlust – nur für das Geschäftsjahr 2013! – von 814 Millionen Euro aus.

Und wer trägt aus Sicht der Nordbanker die Schuld daran? Natürlich nur die anderen, insbesondere die internationale Schifffahrtskrise und die „bösen“ Altlasten der Bank.

Unbestritten setzen insbesondere diese beiden Parameter der Bank enorm zu. Jedoch muß an dieser Stelle zumindest erwähnt werden, dass sich Wettbewerber der HSH ebenso mit diesen Parametern auseinandersetzen müssen. Der Unterschied ist nur, dass sich diese Wettbewerber mit klugen Managemententscheidungen bereits im Vorfeld diesen Problemen gestellt und Lösungen gefunden haben. Ganz im Gegensatz zur HSH Nordbank.

Ein Berg von Problemen

Die HSH Nordbank hat einen erheblichen Problemberg vor sich. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob eine geordnete Abwicklung wie bei anderen Instituten nicht die volkswirtschaftlich und regionalpolitisch sinnvollere Lösung wäre. Denn die HSH Nordbank ist das herausragende Beispiel für eine Zombie-Bank.

Niemand sonst im Lager der öffentlichen Großbanken muss für 2013 einen Verlust ausweisen, geschweige denn einen im Vorjahresvergleich mehr als versechsfachten. Keine andere Landesbank handelte sich 2013 ein neuerliches Prüfverfahren durch die EU-Kommission ein, weil die Ländereigner Hamburg und Schleswig-Holstein sich zur Wiederaufstockung ihrer voreilig reduzierten Zweitverlustgarantien veranlasst sahen, um die Kapitalbasis zu sichern. Keine andere Bank beschwert ihren Kleinanlegern aus den norddeutschen Sparkassenverbänden bis heute anhaltende Kapitalverluste und damit Sanierungsoperationen der Sicherungsverbände. Keine andere Großbank tritt jedes Jahr mit überschäumenden Optimismus vor die Öffentlichkeit und verkündet das baldige Ende des Zombie-Daseins: Eine Erholung im maritimen Sektor wird nach Einschätzung des HSH-Vorstands endlich 2015 einsetzen – diesmal aber wirklich!

Aktuell hat die Bank Kredite für 2500 Schiffe im Portfolio. Das Volumen des Kreditbuchs in diesem Segment wurde zwar im Jahr 2013 um fünf Milliarden Euro reduziert, es beläuft sich aber immer noch auf 21 Milliarden Euro. Den Verlust für das Geschäftsjahr 2014 müsse man noch westecken, aber dann werde endlich wieder gutes Geld verdient, behauptet die Bank.

Das Schifffahrts-Portfolio

Die Bank rühmte sich über Jahre, der weltweit größte Schiffsfinanzierer zu sein. Die Negativentwicklung der Schifffahrts-Branche hat die Bank mit voller Härte getroffen. Sie sitzt immer noch auf einem riesigen Engagement über weit mehr als 20 Milliarden Euro, mindestens die Hälfte davon wird nicht ordnungsgemäß bedient und gilt als ausfallgefährdet. Die Bank müsste diese Hälfte eigentlich vollständig wertberichtigen oder gar abschreiben, sie kann sich diese kaufmännisch gebotene Vorsicht aber schlichtweg nicht erlauben. Denn die ergebniswirksamen Kosten einer Wertberichtigung beziehungsweise Abschreibung würde vollständig auf das Ergebnis der Bank durchschlagen. Selbst bei einer aktuell noch nicht absehbaren Beruhigung der Schiffsfahrtskrise ist dies dauerhaft kein attraktives Geschäftsfeld.

Denn es zeichnet sich keine Besserung im Kernbereich des weltgrößten Schiffsfinanzierers ab. Zu Recht notieren die Banker: Keine rasche Verbesserung der Lage an den internationalen Schifffahrtsmarkten – Tiefpunkt im Zyklus der Branche erst in den kommenden zwölf bis 18 Monaten – Anhaltender Druck auf Schiffspreise, Frachtraten, Zeitcharterraten – Zusätzliche Belastung durch anhaltend hohen Ölpreis und Wechselkurse – Beginn einer langsamen Erholung der Branche nicht vor Ende 2015.

Die Gewährträgerhaftung der Länder

2005 hatte die EU in einem Urteil die automatische Gewährträgerhaftung der öffentlichen Hand für ihre Sparkassen und Landesbanken untersagt, geduldet wurde eine Nachlauffrist (so genanntes „grandfathering“) bis 2015. Eines der immer wieder angeführten Hauptargumente für eine Rettung der HSH Nordbank war der Auslauf dieser Haftung der Länder 2015: Im kommenden Jahr soll der durch öffentliche Gewährträgerhaftung unterlegte Refinanzierungssaldo auf etwa 3,5 Milliarden Euro zurückgeführt worden sein, so das immer wieder angeführte Credo. Doch kürzlich hat sich die Ratingagentur Moody‘s mit dem Thema beschäftigt und einen Bericht erstellt. Laut Berechnungen von Moody‘s werden diese öffentlich abgesicherten Verbindlichkeiten der HSH Nordbank jedoch mit 24 Milliarden Euro beziffert. 2014 und 2015 wird die Bank diesen Refinanzierungsauslauf auffangen müssen. Sie hat dazu nur drei Möglichkeiten:

 

  • Sie holt sich selbst das Geld von ihren Kunden zurück. Denn die Bank hat das Refinanzierungskapital, das sie sich selbst besorgt hat und auf der Passivseite ihrer Bilanz als Fremdkapital ausweist, wieder als Kredite herausgegeben (Assets auf der Aktivseite der HSH-Bilanz). Doch genau dort „knirscht“ es: Die Bank sitzt derzeit auf riesigen Beständen an schlechtem Geschäft, zudem dürfte sie in langfristigen Festschreibungen gebunden sein. Hier Gelder fällig stellen zu können ist eine Herausforderung an die Bank, der sie momentan auch nicht ansatzweise begegnen konnte.
  • Sie findet für sich selbst Anschlußfinanzierungen der auslaufenden öffentlich unterlegten Refinanzierungstranchen. Unterstellt, der Bank würde das gelingen, bedeutet das zumindest einen zusätzlichen Kostendruck aufgrund der schlechten Ratings der Bank.
  • Die Bank zahlt es aus eigener sonstiger Liquidität zurück. Auch das wird ihr schwerlich gelingen, da die wirtschaftliche Situation der Bank viel zu angespannt ist, als dass sie frei verfügbare Liquidität in der notwendigen Größenordnung vorhalten könnte.

 

Der EZB-Stresstest

Die HSH Nordbank gehört zu den Kreditinstituten in der deutschen Bankenlandschaft, die nunmehr der Kontrolle der Europäischen Zentralbank unterstellt sind. Um sich ein Bild von der Situation der ihr unterstellten Banken machen zu können, unterzieht die EZB diese Banken einem erneuten Stresstest. Nach allem was bekannt ist, wird die HSH diesen Stresstest nicht ohne Auflage bestehen, da ihre Eigenkapitaldecke viel zu gering für mögliche Stresstest-Szenarien ist. Die Forderung wird lauten, dass die öffentlichen Eigentümer der HSH erneut frisches Eigenkapital nachschiessen müssen – das heißt, dass die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein noch mehr Geld in die Zombi-Bank stecken müssen.

Im vergangenen Jahr hatte die HSH Nordbank eine erneute Erhöhung der Ländergarantie von sieben auf zehn Milliarden Euro benötigt und von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein auch erhalten. Die EU-Kommission hat diese Erhöhung jedoch nur „vorläufig“ bewilligt, eine abschließende Genehmigung steht noch aus. Ein entsprechender Beschluß wird noch für das Jahr 2014 erwartet. Falls die EU-Kommission diese abschließende Genehmigung nicht erteilen würde, hätten wir ein zweites West-LB-Abwicklungs-Szenario. Die Bank hat bereits alle ihre Parameter wie Kapitalquoten und Berechnungsgrößen auf diese Garantieerhöhung ausgelegt, nach unserer Einschätzung kann sie gar nicht mehr zurück. Einziger Ausweg wäre noch eine Fusion. Auch die West-LB hatte sich verzweifelt um eine Fusion bemüht, was ihr letztendlich nicht gelang und zu einer Zerschlagung führte.

„Sonstige“ Risiken in der Bank-Bilanz

Die HSH fuhr in den letzten Jahren ein geändertes Geschäftsmodell, das sie in einen Verdrängungswettbewerb mit anderen Marktteilnehmern brachte. Das führte dazu, dass sie sich erneut die schlechteren Kreditrisiken in ihren Aktiv-Bestand holte. Diese Kreditrisiken fliegen der Bank nun eines nach dem anderen um die Ohren. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

Die Insolvenz der Wölbern-Fonds betrifft auch die HSH Nordbank, da sie der größte Kreditfinanzierer dieser Fonds war. Aktuell explodiert das Frankreich-Engagement von Wölbern, allein an diesem Frankreich-Engagement ist die HSH-Nordbank mit etwa 100 Millionen Euro beteiligt. Der Wölbern-Betreiber Schulte soll mindestens 147,3 Millionen Euro veruntreut haben.

Die Betreiber des Wohnprojekts „Lesley Lofts GmbH McNair Kaserne“ in Berlin sollen die zu investierenden Gelder veruntreut haben, in den Büchern fehlen etwa 30 Millionen Euro. Die erstellten 162 Luxus-Lofts, Penthouses und Stadtvillen auf dem ehemaligen McNair-Kasernengelände sind faktisch alle verkauft, die Erwerber haben gezahlt, die Gelder sind aber nicht verbaut worden.

Die HSH-Nordbank hat einen Hang dazu, an dubiose Geschäftspartner zu gelangen. Ein weiteres ungelöstes Problem für die Bank ist das Windpark-Engagement in Italien. Da die Investoren offensichtlich der Mafia zuzurechnen sind, hat der italienische Staat kurzerhand den kompletten Windpark beschlagnahmt, die Sicherheiten der Bank für die ausgelegten Kapitalien sind somit nur noch auf dem Papier und möglicherweise nicht mehr verwertbar.

Obwohl die Bank eine eigene Abteilung „Risikomanagement“ hat, tauchen urplötzlich erneute riesige Steuernachzahlungen auf Wertpapiere im Eigenbestand auf. Begründet wird dieses von der Bank mit „komplizierten Wertpapiergeschäften“. Ob diese Begründung mit der gebotenen kaufmännischen Vorsicht in Einklang zu bringen ist, mag bezweifelt werden. In dem Zusammenhang stellt sich sofort die Frage, was da noch an „komplizierten“ Risiken im Bestand latent bestehen mag, die die Bank entweder noch nicht publiziert hat oder einfach gar nicht kennt. So oder so ein Armutszeugnis!

CumEx-Geschäfte und „Kick-Back“-Urteil

Zu den CumEx-Geschäften der HSH ist bereits viel berichtet worden. Dass sich ausgerechnet eine Landesbank in öffentlichem Eigentum an derartigem faktischem Steuerbetrug bereichert, ist bisher unvorstellbar gewesen. Die HSH Nordbank hat es trotzdem getan! Der derzeitige Stand ist, dass sich die Bank Steuergelder im dreistelligen Millionenbereich über Dividendenstripping zu Unrecht hat erstatten lassen. Die Bank meint tatsächlich, allein mit einer Nachzahlung der erschlichenen Steuergelder zuzüglich Zinsen das Problem erledigen zu können.

Die HSH Nordbank hat über viele Jahre als eines ihrer Kerngeschäfte Provisionsgeschäft aus geschlossenen Fonds gehabt. Das Volumen – über die Jahre – dürfte sich kumuliert im dreistelligen Milliardenbereich bewegen. Nun hat der erste Anleger einen Schadenersatzprozeß gegen die HSH Nordbank gewonnen. Dieser konkrete Fall (HGAIII Fondsanteil über etwa 52.000 Euro) ist betragsmäßig vielleicht nicht „die Welt“, es ist aber eine Art Musterprozeß gegen die HSH. Die Bank muß dem Anleger den vollen Anlagebetrag zuzüglich Zinsen zurückerstatten. Die HSH Nordbank hatte ihre Provisionen nahezu immer als „kick back“ aus den Anlagebeträgen wieder zurückbekommen, ohne dieses Gebaren explizit für die Anleger auszuweisen. Als Größenordnung genannt: Im geschlossenen Fondsbereich wurden Provisionen zwischen 15 und 30 Prozent der Anlagesumme bezahlt. Anleger-Anwälte bringen sich im Internet bereits in Stellung und sammeln geprellte Anleger, um diese gegen die HSH zu vertreten.

Zwischenbilanz

Die HSH Nordbank hat verkündet, dass sie im Jahr 2013 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen werde. Im Februar 2014 rückte Vorstandschef von Oesterreich dann wieder einmal mit der trostlosen Einschätzung des faktischen Zustandes heraus: Die Verluste der HSH Nordbank für das Geschäftsjahr 2013 werden deutlich im Minus landen. Bereits 2012 und 2011 hatte die Landesbank im Konzern Verluste von 124 beziehungsweise 265 Millionen Euro gemacht.

Weder die Ankündigung eines neuen Verlustes noch der Grund für diese roten Zahlen sind überraschend. Zu diesem trüben Licht, in dem die Krisenbank seit geraumer Zeit steht, passt die Einschätzung von Aufsichtsratschef Mirow: Die Bank werde ab 2019 vermutlich mehr als die angekündigten 1,3 Milliarden Euro an Garantien nutzen. Hamburg und Schleswig-Holstein, die zusammen 85 Prozent an der HSH Nordbank halten, stehen mit ihren Garantien für alle Verluste ein, die über eine Summe von 3,2 Milliarden Euro hinausgehen. Bis zu diesem Betrag muss das Institut Verluste selber tragen. Bisher hatte die Bank betont, sie könnte von 2019 bis 2025 bis zu 1,3 Milliarden Euro von ihren Eigentümern benötigen. Mittlerweile ist dieser Betrag um weitere 300 Millionen Euro angewachsen.

Wenn die Eigentümer der Bank nicht aus früheren Jahren mit erheblichen Garantien für Einlagen in dem einstigen Landesinstitut belastet wären, hätte sich in der Politik vermutlich schon längst ein Plan B zur Abwicklung durchgesetzt. Sowohl der anstehende Stresstest der europäischen Bankenaufsicht als auch das neue Verfahren der EU-Kommission bieten der Politik eine Gelegenheit, die Bank geordnet abzuwickeln wie dies bei der WestLB auch erfolgt ist. Schon seit Jahren wird von den politischen Mehrheitseigentümern der Übergang zu einem Plan B gefordert, sprich: die geordnete Abwicklung der einstigen Landesbank und damit das organisierte Ende dieser Zombie-Bank.

Wie könnte ein solcher Plan B aussehen?

Nach unserer Einschätzung wäre der große Unterschied zur aktuellen Geschäftstätigkeit hauptsächlich die rechtliche Situation. Notwendig wären zunächst der Mut und die Ehrlichkeit, zu der realistischen Erkenntnis zu gelangen, dass das „Projekt Rettung HSH Nordbank“ gescheitert ist. Dieses hätte die Folge:

 

  • Der Vorstand ist von seiner Tätigkeit zu entbinden.
  • Die Geschäftsführung übernimmt ein Moratorium unter Führung der BaFin.
  • Die tatsächliche Situation der Bank ist – nun endlich – zu ermitteln.
  • Das Prinzip der Bilanzierung „going concern“ und dessen Gestaltungsspielräume wären endlich nicht mehr möglich. Seit 2009 haben die Bankverantwortlichen immer wieder diese Gestaltungspielräume bis zum Erbrechen ausgenutzt, um die Bank reicher zu rechnen, als sie tatsächlich ist.

Und was ist mit der Drohkulisse, die die Politik sowie die aktuelle Bankenführung aufgebaut haben, die den Eindruck vermittelt, das ganze Abendland würde untergehen, wenn die HSH die Tore schließt? Nun, am Bespiel WestLB hat man bereits erlebt, dass diese Drohkulissen zerplatzt sind wie Seifenblasen. Die Bank würde weiterhin versuchen, Assets sowie Teile zu verkaufen, wie sie es bisher auch tut und getan hat. Der Unterschied ist nur, dass die Erlöse daraus zur Verminderung der Länderrisiken verwendet werden können und nicht wie bisher zur Subventionierung des defizitären operativen Geschäftsbetriebes.

Zudem wäre endlich ein Riegel davorgeschoben, dass sich die HSH-Banker, allen voran der Vorstand, mit Steuergeldern bereichern. Fast 3000 HSH-Banker bedienen sich mit jeweils im Durchschnitt mehr als 100.000 Euro Jahresfestgehalt, nicht zu vergessen die überaus lächerlichen Zusatzvariablen. Wie soll man der Allgemeinheit eigentlich, ohne vor Scham im Boden zu versinken, erklären, dass Mitarbeiter, die schon mit ihrem Grundgehalt etwa 30 Prozent besser verdienen als im Branchendurchschnitt, einen riesigen Zusatzbonus am Jahresende erhalten, nur weil sie einfach ihren Job machen? Zudem muß an dieser Stelle einfach die Grundsatzfrage gestattet sein: Was machen diese fast 3000 Banker eigentlich? Das Neugeschäft ist dermaßen gering, dass ein Bruchteil des Personals ausreichen dürfte. Man wirft die Kunden lieber raus, als endlich mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die derzeitige Struktur der HSH-Nordbank ähnelt einem Selbstbedienungsladen, und das zu Lasten von Steuergeldern.

Der einzige geschäftsmäßige Unterschied bei einer Abwicklung wäre, dass die HSH Nordbank kein Neugeschäft mehr machen könnte. Allerdings: Das macht die Bank derzeit – zumindest nennenswert – auch nicht. Und was ist mit den ganzen Szenarien, die immer wieder an die Wand gemalt werden? Vertrauensverlust, Aktienkursverlust, und so weiter? Unsere Ansicht: Geschenkt! Die Bank ist weder börsengängig noch hat sie sich das frühere Vertrauen zurückholen können.