8. Juni 2015

Alles wie gehabt: Schönfärberei und riesige Probleme bei der HSH-Nordbank

Isderion.Isderion at de.wikipedia (Own work) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], from Wikimedia Commons

Die HSH-Nordbank ist das mit Abstand größte Haushaltsrisiko für die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein. Erst Ende Mai hatte die Bank die Öffentlichkeit mit Überlegungen zu einer Umstrukturierung der Altlasten überrascht. Wenige Tage später veröffentlichte die Bank ihren Quartalsbericht und pries sich in bekannter Manier: „Die HSH-Nordbank ist erfolgreich in das laufende Geschäftsjahr gestartet und hat im ersten Quartal 2015 einen Vorsteuergewinn in Höhe von 234 Millionen. Euro (Vorjahreszeitraum: 355 Millionen. Euro) erzielt.“ Doch der erfolgreiche Start war offenkundig nicht so erfolgreich, dass die Bank endlich auf eigenen Füßen stehen könnte.

In den verklausulierten Worten der HSH klingt das so: „Damit setzt die Bank den positiven Trend nach der Ergebniswende im Vorjahr fort und verzeichnete in den ersten drei Monaten deutlich steigende operative Erträge in den Bereichen Immobilien, Energy & Infrastructure und in der Schiffsfinanzierung. Außerdem wurden die risikobehafteten Altlasten weiter reduziert und die Bank senkte dank der Fortschritte bei dem bereits 2014 gestarteten Sach- und Personalkostensenkungsprogramm zugleich den Verwaltungsaufwand. Allerdings trug der Forderungsverzicht der Garantiegeber im Auftaktquartal mit 289 (Q1 2014: 487) Millionen. Euro deutlich weniger zum Ergebnis bei als bei seiner erstmaligen Anwendung Anfang 2014.“ Konkret heißt das: Der Grund für diese angeblich positive Geschäftsentwicklung ist, dass die Bundesländer auf ihre Forderungen gegen die HSH verzichtet haben.

Lage der HSH real so schlecht wie zuvor

In Wahrheit ist die wirtschaftliche Situation der HSH im ersten Quartal genau so schlecht wie die die Jahre zuvor. Schlechte Quartalsergebnisse konnte man bereits vermuten, da die Bank die Veröffentlichung der Finanzinformation mit deutlicher Verspätung nach der Pressmitteilung zugänglich machte. Im Gegensatz zur Lyrik aus der Presseabteilung besagt das Zahlenwerk aus der Finanzinformation etwas ganz anderes (alle Zahlen im Vergleich zum 1. Quartal 2014):

-       27 Prozent Rückgang beim Ergebnis vor Restrukturierung von 489 Millionen Euro auf 357               Millionen Euro

-       34 Prozent Rückgang im Ergebnis vor Steuern von 355 Millionen Euro auf 234 Millionen Euro

-       Kernkapitalquote gesunken

-       Eigenmittelquote gesunken

-       Zinsüberschuss getragen vom Ergebnis aus hybriden Finanzinstrumenten (Hedge) mit über 100         Millionen Euro

-       47 Prozent Rückgang im Handelsergebnis

-       95 Prozent Rückgang im Ergebnis aus Finanzanlagen

-       54 Prozent Rückgang der Barreserve (von 5,967 Milliarden Euro in 1/14 auf 2,764 Milliarden               Euro)

-       Risikovorsorge um 28 Prozent vermindert bzw. im Saldo ergebniswirksam /-erhöhend aufgelöst

-       36 Prozent Rückgang des Bestands der „als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien“ – also               ebenfalls ergebniserhöhend veräußert

-       IFRS-Bilanzierungsregel „Going Concern“ erneut ausgereizt

Die Ausreizung dieser IFRS-Bilanzierungsregel haben wir in den letzten Jahren immer wieder ausführlich kritisiert. Daher verdeutlichen wir diese Schönfärberei bei der Bilanzgestaltung hier nur ganz knapp:

Die Rohbilanz steht, die Vorstände überlegen, wie man das Ergebnis besser präsentieren kann. Entscheidender Punkt: Durch Umbuchung von Forderungsverzichten eröffnet sich ein Spielraum für den Gewinnausweis. Zudem darf die Bank nach IFRS in Zukunft erwartete Zuflüsse schon jetzt vorwegnehmend erlöswirksam und damit gewinnerhöhend in die Gewinn-und Verlustrechnung buchen.

Und das haben die HSH-Vorstände in größtmöglicher Dimension getan. Dieses Buchungsgebaren, von den HSH-Bankern seit der Finanzkrise zunehmend genutzt, hat jedoch ein Problem: Dieses Instrument wirkt nicht endlos.

Und damit sind wir bei der aktuellen Situation: Die US-amerikanischen Bilanzierungsregeln fordern eine Rückbuchung für den Zeitpunkt, an dem sich die entsprechende gewinnerhöhende Maßnahme als nicht eintreffend herausstellt! Genau das bringt die Bank derzeit erneut in hausgemachte Not, denn eine Vielzahl von bisherigen Buchungen in Milliardengröße müssen zurückgebucht werden.

Ein riesiger Berg von Problemen

Hinzu kommen die riesigen realen Probleme der Bank:

Die Bank sitzt auf einem gewaltigen Forderungsvolumen über 15,9 Milliarden Euro, welches nicht ordnungsgemäß mit Zins und Tilgung bedient wird (so genanntes NPL-Volumen – „non performing loans“ oder „notleidende Kredite“) und eigentlich als „uneinbringlich“ eingestuft werden müsste, jedoch kann sich die Bank eine kaufmännisch gebotene Abschreibung der Forderungen nicht leisten. Denn die Kosten würden sofort auf die Ergebnisse durchschlagen. Laut Quartalsbericht hat die Bank hierauf lediglich einen Risikovorsorgebestand über vier Milliarden Euro gebildet (Kernbank und Abbaubank „Restructuring Unit“).

Im NPL-Volumen über 15,9 Milliarden Euro befinden sich 66 Prozent des Schifffahrtsportfolios der Bank und 21 Prozent des Immobilienportfolios.

Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und damit die SteuerzahlerInnen haften für diesen „Schrottbestand“ mit ihrer Ländergarantie, die 78 Prozent des Shipping- (10,5 Milliarden Euro) und 53 Prozent des Immobilienkreditportfolios(3,4 Milliarden Euro) abdecken muss!

Die Kernbank trägt mit -79 Millionen Euro (70 Prozent) den Großteil aus der Risikovorsorge vor Kompensation, die „Restructuring Unit“ als faktische interne „Bad Bank“ -34 Millionen Euro (30 Prozent). Die Brutto-Kompensation wird durch Zusatzprämie deutlich gemindert, nach Berücksichtigung des Forderungsverzichts ergibt sich eine Netto-Kompensation von 315 Millionen Euro. Die GuV-wirksame Risikovorsorge beträgt nach Kompensation 202 Millionen Euro.

Die Schlussfolgerung des Managements ist daher naheliegend: Da eine Trendwende in der Schifffahrtskrise nicht erkennbar ist, muss die Bank auf irgendeine Art das Schiffsportfolio von etwa 28 Milliarden Euro loswerden. Unter dieser Voraussetzung könnte man mit den schmalen Margen aus dem umkämpften Bankgeschäft dann dauerhaft in den Bereich der schwarzen Zahlen vorstoßen.

Investitionen in die riskantesten Branchen

Und in welchen Bereichen tätigt die Bank Neugeschäft und holt ihre Erlöse her? Der Quartalsbericht 1/2015 sagt: Die Kernbank hat im Berichtszeitraum insgesamt 188 Millionen Euro eingenommen, davon kommt mit 150 Millionen Euro der allergrößte Teil aus den Bereichen Shipping/Immobilien. Das heißt: Die Bank investiert erneut in genau die Branchen, die ihr wie ein Klotz am Bein hängen!

Neben diesen miserablen Zahlen aus dem Alltagsgeschäft bleibt noch ein gewaltiges Refinanzierungsproblem: Die Bank muss noch in diesem Jahr Anschlussfinanzierungen über 18 Milliarden Euro finden. Diese Beträge laufen in diesem Jahr aus, bisher unterlegt durch die automatische Gewährträgerhaftung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein.

Die Bank rühmt sich in ihrer Präsentation, 2014 und 2015 insgesamt etwa 3,2 Milliarden Euro erfolgreich über Funding refinanziert zu haben. Da muss sich die Bank aber noch ordentlich strecken, um noch weitere 18 Milliarden Euro refinanziert zu bekommen. Das aktuelle Rating „BBB-„ ist da nicht gerade zuträglich. Und immer noch ist nicht ausgestanden, dass die EU-Kommission die abschließende Genehmigung der bereits vorläufig erfolgten Garantieerhöhung von sieben auf zehn Milliarden Euro tatsächlich genehmigen wird. Auch dieses Risiko wird in diesem Jahr noch schlagend werden!

HSH verpulvert weiter Steuermilliarden

Schlussendlich bleibt festzuhalten: In der Tat hat sich die Bank in der Gewinnzone gehalten, aber nicht mit realen wirtschaftlichen Ergebnissen, sondern als Ergebnis einer bei diesem Institut lange üblichen Schönrechnung. Es wird also auch in diesem Jahr dabei bleiben: Die Bank verpulvert das aus Steuermitteln bereitgestellte Vermögen. Zum Jahresende 2014 war die HSH-Nordbank-Aktie nur noch 4,88 Euro wert. Diese Ermittlung führt zu einem weiteren Wertverlust von 355 Millionen Euro für die beiden Bundesländer allein in der ländereigenen HSH-Finanzfonds AöR (siehe Geschäftsbericht 2014 der HSH-Finanzfonds AöR ). Diese dürfen sich zudem freuen, dass sie am Ende des Engagements für weitere 2,1 Milliarden Euro einstehen dürfen. Es bleibt dabei: Die HSH ist das größte Risiko für die öffentlichen Haushalte von Hamburg und Schleswig-Holstein.