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6. September 2013

Hat sich die HSH Nordbank stabilisiert?

Von Joachim Bischoff und Norbert Weber

Bei der HSH Nordbank fallen Wirklichkeit und der vom Management verbreitete schöne Schein weit auseinander. Tatsächlich kommen neue Hiobsbotschaften von der Skandalbank: Die HSH Nordbank rechnet wegen der Dauerkrise in der Schifffahrt und hoher Kosten für die Staatsgarantien vorerst nicht mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. Zudem stellt sich das staatliche gestützte Institut darauf ein, dass sich bei den anstehenden Stresstests im kommenden Jahr weitere Löcher in der Bilanz auftun. Also wirklich keine guten Aussichten.

Der Vorstandsvorsitzende von Oesterreich kommentiert das Halbjahresergebnis 2013 dagegen positiv: »Der erfreuliche Ergebnistrend der HSH Nordbank ist intakt. Weggefallene Erträge im Zuge des Abbaus der Bilanzsumme konnten wir kompensieren. Wir haben im ersten Halbjahr die Fokussierung unserer Geschäftsaktivitäten weiter intensiviert. Parallel haben wir unsere Kundenbasis ausgebaut und uns auf qualitativ hochwertiges, risikoärmeres Geschäft konzentriert. Zugleich haben unsere Anteilseigner die Bank mit der Wiederaufstockung der Garantie auf 10 Mrd. Euro kapitalseitig deutlich gestärkt.«

Der positive Ergebnistrend beschert der Bank einen Überschuss im ersten Halbjahr von 90 Mio. Euro, das ist unstrittig. Angesichts dieser schwarzen Zahlen und der positiven Kommentierung könnte man glatt vergessen, dass die Bank im laufenden Jahr erneut mit einem negativen Geschäftsabschluss rechnet. Auch das nächste Jahr 2014 soll nicht viel besser werden. Sowohl 2013 als auch 2014 wird das Finanzinstitut keine schwarzen Zahlen vorweisen können. Die Krise der Schifffahrt trifft die angeschlagene Landesbank so hart wie kein anderes deutsches Geldhaus.

Im Schönsprech der HSH-Verantwortlichen hört sich dies so an: »Maßgeblich für die gute Entwicklung waren vor allem der erfreuliche Geschäftsverlauf in der Kernbank, Fortschritte beim Umbau zur ›Bank für Unternehmer‹ sowie Wertaufholungen bei Wertpapieren. Dämpfend wirkten dagegen die unverändert stark angespannte Lage in der internationalen Schifffahrt sowie eine verhaltene Kreditnachfrage der Unternehmen.«
Wenn man sich die Zahlen genauer betrachtet, stellt man fest, dass der »erfreuliche Geschäftsverlauf in der Kernbank« überhaupt nicht dem eigenverantwortlichen operativen Geschäft zugerechnet werden kann. Ein Effekt über 319 Mio. Euro ist allein im Handelsergebnis durch fremdbestimmte Bewertungen von Zins-/Währungsderivaten entstanden. Die Erlöse aus dem eigentlichen neuen Geschäftsmodell sind nach wie vor völlig unbefriedigend und unterdurchschnittlich. Die Bank ist im Markt schlichtweg nicht präsent!

Bereits zum 30.06.2013 liegt die Sicherungswirkung der Ländergarantien mit 3,203 Mrd. Euro über dem Selbstbehalt der Bank mit 3,2 Mrd. Euro. Und auf dieser Berechnungsgröße fußt u.a. die Berechnung der Bank, in 2019 die Garantie der Länder mit 1,3 Mrd. Euro in Anspruch nehmen zu müssen. Diese Berechnungen stimmen bereits heute hinten und vorne nicht. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie bereits mit der Vorstellung des Jahresergebnisses 2013 zu Lasten der Länder angepasst werden müssen.
Seit 2009 ist von den kurz- und mittelfristigen Plänen der Bank noch kein einziger tatsächlich auch eingetroffen, ständig musste zu Lasten der Länder nachgebessert werden. Aus welchem Grund soll ausgerechnet jetzt die aktualisierte Langfristplanung der Bank eintreten?

Bislang war das Management der Problembank davon ausgegangen, dass die Kreditvorsorge im nächsten Jahr sinkt und damit der Weg frei wird, um im Gesamtjahr mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Mittlerweile ist aber deutlich geworden, dass sich die Schifffahrtsbranche auch im nächsten Jahr nicht erholen dürfte. »Es gibt nichts Positives über die Schifffahrt zu sagen. Auch wenn es hin und wieder Lichtblicke am Horizont gibt, so sind sie doch immer wieder schnell verschwunden«, sagte von Oesterreich. Zudem schlagen zusätzliche Prämien für die wieder von sieben auf zehn Mrd. Euro aufgestockte Staatsgarantie zu Buche. Für das laufende Jahr werden dafür einschließlich Sonderzahlungen bereits 410 Mio. Euro veranschlagt. Für das nächste Jahr muss die Bank 520 Mio. Euro Gebühren an die Garantiegeber zahlen.

Die HSH Nordbank steckt tief in der Krise der Schifffahrt, die mit Überkapazitäten und hohen Treibstoffkosten zu kämpfen hat. Das Gesamtengagement der Bank in diesem Geschäftsfeld beläuft sich auf 27 Mrd. Euro. »In Summe werden die Ergebnisbelastungen im zweiten Halbjahr die operativen Erfolge der Kernbank übersteigen. Die Bank erwartet deshalb unverändert einen Konzernverlust für das Jahr 2013«, prognostizierte der HSH-Chef. Mit anderen Worten: Mit dem positiven Ergebnistrend ist es noch nicht weit her. Die »Bank für Unternehmer«, die in Norddeutschland führend sein soll, verdient noch nicht soviel, dass die Verluste aus dem Geschäft mit Schiffskrediten kompensiert werden könnten.

Aber noch nicht genug mit der Schönrednerei. Die Bank hat seit längerem verdeutlicht, dass sie ab 2019 vermutlich bis zu 1,3 Mrd. Euro an Garantien in Anspruch nehmen wird. Dabei handelt es sich um die sogenannte Zweitverlustgarantie. Hamburg und Schleswig-Holstein, die zusammen 85 Prozent an der Landesbank halten, müssen einspringen, wenn die Bank Verluste einfährt, die über dem vereinbarten Selbstbehalt von 3,2 Mrd. Euro hinausgehen. Jetzt deutet der HSH-Vorstandschef an, dass die Inanspruchnahme der Garantie höher ausfallen könnte, falls die Schifffahrtskrise länger dauern sollte als erwartet. »Wenn sich die Schifffahrtssituation im Jahr 2015 nicht nachhaltig entspannt, wird es für alle Beteiligten schwierig.«

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Mirow beteiligt sich an der Vernebelung. Nach seiner Ansicht könnte das Engagement der Bundesländer mit einem Gewinn für den Steuerzahler enden. »Hochgerechnet bis zum Jahr 2025 übersteigt die Summe dieser Garantiegebühren den von den Ländern voraussichtlich zu tragenden Verlust.« Die eingetretenen Vermögensverluste ignoriert der Aufseher. Und auch die Einschätzung seines Vorstandsvorsitzenden, dass möglicherweise mehr als 1,3 Mrd. Euro aus der Garantie in Anspruch genommen werden müssen, dürfte ihm eigentlich bekannt sein.

Auch die Norddeutsche Landesbank (NordLB) wird durch Schiffsfinanzierung belastet, wenn gleich ihr Engagement deutlich geringer ist. Deshalb muss das Geldhaus aus Hannover für faule Kredite große Sicherheitspolster anlegen: Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft, die maßgeblich auf das Segment mit den Schiffen entfällt, verdreifachte sich gegenüber der ersten Hälfte des Vorjahres auf 432 Mio. Euro (1. Halbjahr 2012: 146 Mio. Euro). Man kann es drehen , wie man will: Die HSH Nordbank bleibt bei der Risikovorsorge zurückhaltender. Der Grund: Schon jetzt könnte nicht auf einen tollen Ergebnistrend verwiesen werden.

Wie die Konkurrentin NordLB kann sich die HSH Nordbank der Krise in der internationalen Seeschifffahrt nicht entziehen . Sie hat ihren Gewinn auch wegen eines anderen Umgangs mit der Risikovorsorge im ersten Halbjahr gesteigert, der Ausblick für das laufende Jahr bleibt dennoch unverändert negativ.

Aktuell hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei der HSH Nordbank eine Sonderprüfung nach § 44 KWG angesetzt. Sie will prüfen, ob die HSH Nordbank ausreichend Risikovorsorge insbesondere im Segment Schifffahrt gebildet hat.

Wenn man die gebildeten Risikopositionen der HSH mit denen anderer Banken wie z.B. bei der NordLB vergleicht, so wird deutlich, dass die HSH Nordbank bisher deutlich zu wenig Vorsorge im Verhältnis zum Umfang des eingegangenen Schifffahrtsengagements getroffen hat. Sollte die BaFin dieser Ansicht folgen und die HSH dazu zwingen, entsprechende Bildung von Risikopositionen nachzuholen, so wird es extrem kritisch für die Bank. Eine solche Bildung von Wertberichtigungen und Abschreibungen schlägt sofort auf die Gewinn- und Verlustrechnung als Kosten durch. Nach unseren überschlägigen Berechnungen fehlen hier mindestens drei bis vier Mrd. Euro. Es besteht die Gefahr besteht, dass die Eigentümer, also vor allem wie Hamburg und Schleswig-Holstein, wieder gefordert sein werden.
Anders als die HSH Nordbank muss die Nord/LB als zweitgrößter Schiffsfinanzierer keine Sonderprüfung der Bankenaufsicht BaFin über sich ergehen lassen. »Die Wirtschaftsprüfer schauen sich derzeit bei allen Schiffsfinanzierern die Schiffsbewertung sehr genau an. Wir liefern auch regelmäßig umfangreiche Daten über unsere Portfolios an die BaFin, natürlich auch über das Schiffsportfolio. Insofern weiß die Aufsicht sehr detailliert Bescheid«, sagte der Vorstandsvorsitzende der Nord/LB, Gunter Dunkel, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Da bleibt eine Frage im Raume bisher unbeantwortet stehen: Aus welchem Grund prüft die BaFin persönlich bei der HSH Nordbank und gibt sich nicht mit den gelieferten Daten zufrieden? Hält die HSH der BaFin gegenüber etwa notwendige Informationen zur Beurteilung ihrer wirtschaftlichen Situation zurück?