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10. September 2014 Mehmet Yildiz

Plenarprotokoll 20/94: Der Traum von Olympia? Mit diesem IOC ein Albtraum!

Mehmet Yildiz DIE LINKE: Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Der Traum und die Entstehung der Olympischen Spiele beruhen auf Völkerverständigung, Begegnung der Jugend und Frieden. Diese Vorstellung haben wir nötiger als je zuvor. Aus dem Traum Olympia hat das IOC einen Albtraum gemacht. Wo die Heuschrecke Olympia in den letzten 30 bis 40 Jahren unterwegs war, hat sie nur Chaos hinterlassen. Das IOC legt den Städten Knebelverträge vor, an deren Vorgaben sie sich strikt zu halten haben. Der Vertragspartner Stadt hat nichts mitzubestimmen. Die Folgen dieser Knebelverträge und der Austragung der Spiele sind steigende Miet-, Boden- und Immobilienpreise, Verdrängung der Armen und der Geringverdienerinnen und -verdiener, steigende Umwelt- und Verkehrsbelastung und Milliardenschulden für den Steuerzahler.

In keinem einzigen Land sind die Kosten im geplanten Rahmen geblieben. Ein Beispiel sind die vielgelobten Londoner Olympischen Spiele. Geplant waren alleine für die Durchführung 1,9 Milliarden Euro, am Ende kamen 3 Milliarden Euro dabei heraus. Für den Bau der Sportstätten waren 2,9 Milliarden Euro geplant, herausgekommen sind etwa 14 Milliarden Euro. Die Gesamtkosten der Olympischen Spiele für die Londoner und Londonerinnen betrugen etwa 28 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis der Knebelverträge des IOC. Dabei hatte das britische Parlament nicht einmal etwas mitzureden. Eine Studie besagt, dass bei allen Olympischen Spielen in den letzten 50 Jahren die Endkosten im Durchschnitt fast 180 Prozent höher ausgefallen sind – ich zitiere die Autorinnen –:

"Eine Olympiade ist für eine Stadt [...] eines der finanziell riskantesten Projekte überhaupt."

– Zitatende.

Ein Blick nach Athen reicht, um zu sehen, welche irrsinnigen Vorgaben das IOC den Ausrichtern machte. Dort gammeln Stadien vor sich hin, weil sie niemand mehr braucht. Für den Rückbau fehlt das Geld, unter anderem, weil die Athenerinnen und Athener auf Gesamtkosten von 15 Milliarden Euro sitzen geblieben sind. Wenn Senat und Handelskammer also von 2 beziehungsweise 6,5 Milliarden Euro reden, dann können wir mindestens mit dem Doppelten rechnen. Sie alle haben deutlich gemacht, dass nur bei einer Änderung der Ausschreibungspraxis mit einer Hamburger Bewerbung zu rechnen sei. Das IOC wird allerdings erst frühestens im Dezember entscheiden, ob es überhaupt einen solchen Prozess geben wird. Dass der Senat jetzt schon mit einem großspurigen Bau- und Standortkonzept an den Start geht und so tut, als sei alles in trockenen Tüchern, ist eine bewusste Täuschung der Bürgerinnen und Bürger.

(Beifall bei der LINKEN)

Dabei wissen Sie genau, dass das IOC ein Ungetüm ist. Allein mit Thomas Bach die Hoffnung zu verbinden, es würden echte Reformen durchgesetzt, zeigt, dass der Senat keine Ahnung hat oder blauäugig ist.

(Heike Sudmann DIE LINKE:Oder beides!)


Thomas Bach ist in der Vergangenheit eher Teil des Problems gewesen. Er hat sich als Geldbeschaffer und Marketingexperte hervorgetan statt als großer Reformer. Gerade erst hat Thomas Bach die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele für satte 8 Milliarden Dollar verkauft. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass Hamburg sich für eine der kommenden Olympiaden bewerben wird. Statt Steuergelder für sinnlose Bewerbungen zu verschleudern, sollten Sie sie lieber in Bildung und Breitensport investieren, damit alle von uns etwas davon haben.

(Beifall bei der LINKEN)


Meine Damen und Herren! Sportvereine berichten uns, dass die Toiletten nicht funktionieren. Eltern beschweren sich bei mir, dass ihre Tochter wegen Platzmangel nicht im Sportverein aufgenommen wird. Der Hamburger Fußball-Verband hat uns gestern in der Sportausschusssitzung berichtet, dass die Preissteigerung nicht übernommen wird und die Flutlichtanlagen nicht funktionieren. Der ,Vereinsvorsitzende berichtet mir, dass die Sportlerinnen und Sportler sich draußen umziehen müssen, weil sie Angst haben, dass der Putz von der Decke fällt. Das ist ein Skandal.

(Beifall bei der LINKEN)


Wenn wir uns anschauen, dass 90 Prozent der Grundschulkinder aus meinem Wahlkreis Billstedt nicht schwimmen können, dann macht es keinen Sinn, dass wir für 16 Tage Milliarden investieren und dafür 16 Jahre zahlen müssen. Daher sagen wir Nein zu 16 Tage feiern und 16 Jahre abzahlen. – Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)