22. Oktober 2013

Rote Flora: Großes Kino mit falscher Vorstellung

Bild: ROTE FLORA soll einem Kulturtempel weichen

Das alternative Kulturzentrum ROTE FLORA

Heike Sudmann

„Großes Kino“ führen gegenwärtig die „Investoren“ Klaus Martin Kretschmer und Gert Baer auf – so die Einschätzung der RotfloristInnen. Ein am 4. Oktober beim Bezirksamt Altona eingereichter Bauantrag sieht den Abriss des alten Flora-Gebäudes am Schulterblatt und den Neubau einer Konzerthalle mit 2400 Plätzen vor. Großes Kino ist das, weil der Bezirk Altona unmissverständlich und einheitlich erkennen lässt, dass er keinerlei Interesse daran hat, den gegenwärtigen Zustand und damit die Existenz der Roten Flora in Frage zu stellen. Großes Kino ist das, weil schon einmal, 1989, die Pläne für ein Musicaltheater am Schulterblatt knallhart gescheitert sind. Großes Kino hin oder her: Auch wir sehen uns veranlasst, eine kleine Filmbesprechung zu veröffentlichen.

Den sogenannten Investoren geht es aus unserer Sicht um nichts anderes, als den Kaufpreis des Flora-Geländes für die Stadt in die Höhe zu treiben. Denn klar ist, eine Konzerthalle an diesem Ort wird von niemandem gewünscht. Die Stadt soll vielmehr unter Druck gesetzt werden, das Grundstück in eigene Regie zu übernehmen, um den Kretschmers und Baers dieser Welt weiteren Ärger zu ersparen und deren Profite zu sichern. Die Stadt hatte Kretschmer das Grundstück im März 2001 zum Preis von 370.000 DM verkauft, um damit im anstehenden Bürgerschaftswahlkampf ein Problem vom Tisch zu haben. Kretschmer hatte sich damals verpflichtet, die Nutzung des Gebäudes als Rote Flora unangetastet zu lassen, ein Verkauf sollte ohne Zustimmung des Senats unmöglich sein.

Die Rote Flora ist seit Jahrzehnten ein bekannter Ort der Kultur, der Diskussion und des Widerstands gegen Gentrifizierung, längst und weit über Hamburg hinaus. Diesen Ort gilt es zu erhalten und gegebenenfalls zu verteidigen gegen alle überbordenden Profitinteressen der Herren Kretschmer und Baer. Denn Recht auf Stadt schließt auch das Recht und die Sicherung auf nicht kommerzialisierte Räume ein. Die Investorenpläne sind daher abzulehnen, die Rote Flora muss uneingeschränkt erhalten bleiben.

Sollte der Senat jetzt Probleme mit dem Vorbescheidsantrag haben (eingegangen im Bezirk Altona erst Mitte Oktober), kann das nur bedeuten, dass er 2001 schlecht verhandelt hat. Das aber darf keinesfalls auf Kosten und zu Ungunsten des Kultur- und Stadtteilzentrums Rote Flora gehen. Da wären auch wir unverträglich!