27. Mai 2014

„Den Senat interessiert nicht, wie viele Obdachlose es gibt“

Der Senat weiß nicht, wie viele Obdachlose es in Hamburg gibt. Und er weiß nicht, wie viele Menschen aus städtischen Notunterkünften in Wohnraum, Wohnprojekte oder Ähnliches vermittelt werden. Das geht aus der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft hervor (Drs. 20/11814). „Die Zahl der sich jeweils in den Notunterkünften aufhaltenden Menschen kann der Senat zwar nennen, davor und danach sieht er sich aber anscheinend nicht zuständig“, erklärt dazu Cansu Özdemir, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion. „Die Antworten des Senats belegen, dass er sich nicht richtig für die Zahlen der obdachlosen Menschen in Hamburg interessiert. Die letzte Statistik zu Obdachlosenzahlen in unserer Stadt ist fünf Jahre alt. Wir fordern eine aktuelle Statistik zu den Obdachlosenzahlen in Hamburg“. Nur so könne eine Bedarfsplanung erstellt werden. Auch eine Prognose zur Entwicklung der Obdachlosigkeit kann der Senat nicht abgeben.

Nach Angaben des Senats wurden im Zeitraum von November 2011 bis Mai dieses Jahres 18.745 Männer aus der Einrichtung Pik As als „unbekannt verzogen“ registriert, im selben Zeitraum sind 1010 Frauen aus der Frauenübernachtungsstätte „unbekannt verzogen“. „All diese Menschen wurden nicht in Wohnraum vermittelt und der Senat will auch gar nicht wissen, wohin sie gegangen sind“, kritisiert Özdemir. „Wahrscheinlich ist aber, dass sie wieder auf der Straße gelandet sind. Oder aber bei den Frauen, dass sie wieder in eine gewalttätige oder ausnutzende Beziehungskonstellation zurückgekehrt sind. Eine gezielte Bekämpfung von Obdachlosigkeit bedeutet aber an erster Stelle, die Menschen in gesicherte Wohnverhältnisse zu integrieren. Deshalb muss die Vereinbarung zwischen der Stadt und den Wohnungsunternehmen strenger eingehalten werden, damit auch obdach- und wohnungslose Menschen die Chance haben, in gesicherte Wohnverhältnisse integriert zu werden.“