FAQ zu Olympia in Hamburg

1. Was sind Olympische Spiele?

Die Olympischen Spiele sind eines der größten Sportereignisse der Welt. Olympische Sommer- und Winterspiele wechseln sich alle zwei Jahre ab. Sportler/innen aus über 200 Nationen treten gegeneinander an. Ursprünglich waren die Olympischen Spiele ein kleiner, sportlicher Wettbewerb zu Ehren der Götter im antiken Griechenland. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Spiele zu dem Spektakel, das sie heute sind.

2. Wer organisiert die Spiele?

Die Spiele werden abwechselnd an verschiedene Ausrichterstädte vergeben, die einen reibungslosen Ablauf garantieren müssen. Für die unmittelbare Organisation sind die Organisationskomitees der Olympischen Spiele (OCOGs) zuständig.

3. Wie ist die Olympische Familie aufgebaut?

Die Olympische Familie hat mehrere Hierarchieebenen. Das oberste Gremium stellt das Internationale Olympische Komitee (IOC) dar, dann kommen die 33 Internationalen Weltsportverbände, die 205 Nationalen Olympische Komitees (NOKs), die nationalen Verbände und Sportvereine, die Sportfunktionäre/innen, Trainer/innen und Sportverwalter/innen.

4. Was ist das IOC und welche Rechte hat es?

Das IOC ist eine nichtstaatliche Organisation mit Sitz in Lausanne (Schweiz). Zweck des Komitees, das aus bis zu 115 regulären Mitgliedern besteht, ist die Organisation und Betreuung der Olympischen Spiele. Rechtlich ist das IOC ein eingetragener, gemeinnütziger Verein im Sinne des Schweizerischen Zivilgesetzbuches und beansprucht alle Rechte an den Olympischen Symbolen wie Fahnen, Mottos und Hymnen sowie die Organisation der Spiele selbst. Um dies zu gewährleisten, müssen potenzielle Bewerbernationen vorher ein Olympiaschutzgesetz verabschieden, das nur dem IOC die Verwendung von Begriffen wie "Olympiade", "olympisch" und die Verwendung der fünf Ringe erlaubt.

5. Was würde Hamburg die Austragung der Olympischen Sommerspiele kosten?

Bisher weigert sich der Senat, verlässliche Zahlen bzw. Kostenvoranschläge herauszugeben. Es kursieren lediglich Schätzungen. Der Unternehmensverband der Hafenwirtschaft schätzt, dass allein die Räumung des Kleinen Grasbrooks ca. 6-8 Milliarden Euro kosten würde. Voraussichtlich würde die Austragung der Spiele Gesamtkosten im zweistelligen Milliardenbereich verursachen. Zum Vergleich: Die Organisation der Londoner Spiele 2012 kostete ca. 2,6 Milliarden Euro. Hinzu kam der Neu- und Ausbau von Sportstätten (ca. 14,8 Milliarden Euro ) und die infrastrukturellen Ausgaben (ca. 10,7 Milliarden Euro). Die Gesamtkosten der Austragung in London beliefen sich auf 28,1 Milliarden Euro.

6. Wer bezahlt die Spiele?

Grundsätzlich gilt: Die Steuerzahler/innen der jeweiligen Stadt, bzw. des Landes, kommen für die Kosten auf. Das IOC unterscheidet dabei zwischen drei Kostenarten: das Durchführungsbudget (OCOG-Budget), das Infrastrukturbudget (Non-OCOG-Budget) und die nicht-olympiabedingten Kosten. Das Durchführungsbudget beansprucht dabei vergleichsweise die geringsten Kosten, ist aber der einzige Topf, der vom IOC bezuschusst wird. Die deutlich kostspieligeren Ausgaben aus dem Infrastrukturbudget und die nicht-olympiabedingten Kosten werden in voller Höhe von der öffentlichen Hand getragen. Dabei gilt: Übersteigen die Kosten der Durchführung die Einnahmen, müssen wieder die Steuerzahler/innen einspringen.

7. Wer profitiert von Olympischen Spielen?

Hauptprofiteurin der olympischen Spiele ist in erster Linie die olympische Familie selbst (IOC, NOKs, etc.). Eine US-Finanzagentur hat 2012 errechnet, dass "Olympia" mit einem Wert von 47,6 Milliarden Dollar die zweitwertvollste Marke hinter Apple ist. Daneben profitieren auch zahlreiche Großunternehmen wie Coca Cola, McDonald's und Visa, die als Top-Sponsoren Exklusivrechte genießen. Nur offizielle Sponsoren dürfen mit der Marke "Olympia" werben und innerhalb bestimmter Bannmeilen ihre Produkte verkaufen. Die Ausrichterstädte müssen dem IOC sogar garantieren, dass die Top-Sponsoren ihre "kommerziellen Zielsetzungen im Gastgeberland erreichen können".

8. Wie transparent ist das IOC?

Nicht besonders transparent. Das gilt zum Beispiel bei der Vergabe: So wurde mehrfach nachgewiesen, dass IOC-Mitglieder mit Geld- und Sachleistungen bestochen wurden, damit sie bei der Vergabe für eine bestimmte Ausrichterstadt stimmen. Auch die sogenannten Host-City-Contracts (HCCs), also das Vertragswerk, das nahezu sämtliche Rechte an das IOC überträgt, während die Pflichten den Städten aufgebürdet werden, wurde bisher nicht veröffentlicht.

9. Wird die Bewerbung und Austragung zu Kürzungen in der Infrastruktur führen?

Zwangsläufig ja. Denn: Ab 2020 greift die sogenannte Schuldenbremse. Spätestens dann darf die Stadt nicht mehr ausgeben, als sie einnimmt. Bei einem Jahreshaushalt von ca. 12 Milliarden Euro und angenommenen Kosten von 15 bis 20 Milliarden Euro wird das zu Kürzungen in der gesamten (sozialen) Infrastruktur führen. Somit bleibt kaum bis gar kein Spielraum mehr für soziale Projekte, die Sanierung von Straßen oder Sportplätzen.

10. Die Befürworter/innen behaupten, dass Olympische Spiele sich positiv auf den Breiten- und Vereinssport auswirken. Stimmt das?

Die breitensportliche Wirkung der Ausrichtung Olympischer Spiele ist gering. Meistens fließen Investitionen in Sportarten, in denen ein großer Medaillen-Ertrag wahrscheinlich ist. Das führt oftmals dazu, dass Sportarten gefördert werden, die nur von wenigen Freizeitsportlern ausgeübt werden. Diese Entwicklung ist noch fataler, wenn die Austragung Olympischer Spiele - wie in London - mit der Privatisierung öffentlicher Sportflächen einhergeht.

11. Kritiker gehen davon aus, dass die tatsächlichen Kosten die kalkulierten Kosten übersteigen könnten. Stimmt das?

Es ist die Regel, dass die tatsächlichen Kosten der Spiele deutlich höher ausfallen als ursprünglich geplant. Teilweise wurden Kostensteigerungen von bis zu 1400 Prozent festgestellt. Viele gastgebende Städte konnten die öffentlichen Schulden in Milliardenhöhe erst Jahrzehnte später tilgen.

12. Es gibt Bedenken, dass durch die Austragung Olympischer Spiele die Mieten steigen werden. Ist das wahr?

Erfahrungsgemäß verstärkt die Austragung Olympischer Spiele den Verdrängungsdruck in bestimmten Quartieren. Beispiele unter anderem aus Barcelona oder London haben gezeigt, dass im Zuge der Spiele besonders Bewohner/innen mit niedrigen und mittleren Einkommen verdrängt wurden, weil Miet- und Grundstückspreise stark anstiegen. So kam es im Londoner Osten teils zur skrupellosen Vertreibung von Mieter/innen: Die BBC zitierte einen Immobilienmakler, der angab, dass Wohnungen, die üblicherweise 350 Pfund pro Woche kosteten, während der Spiele für 600 Pfund vermietet wurden.

13. Wird es stärkere Verkehrsbelastungen geben?

Voraussichtlich 70.000 bis 90.000 Besucher/innen täglich werden den Verkehr in Hamburg vor eine immense Herausforderung stellen. Ob und wie das bewerkstelligt werden soll, ist derzeit noch offen. Was aber sicher ist: Während der Bau- und Ausrichtungsphase wird es erhebliche Einschränkungen geben. Zahlreiche Großbaustellen (vor allem wegen des Baus der Sportstätten) werden über Jahre hinweg das Stadtbild prägen.

14. Befürworter/innen sprechen davon, dass eine sinnvolle Nachnutzung der gebauten Sportstätten geplant ist. Das ist doch positiv, oder?

Die Nachnutzung der für die Olympischen Spiele errichteten Sportstätten gestaltet sich oft schwierig. Bau und Betrieb insbesondere von Anlagen für Sportarten, die weniger populär sind, bergen das Risiko, große ungenutzte und mit Folgekosten verbundene Flächen zu werden. In Athen oder Peking entstanden sogenannte "Weiße Elefanten", leerstehende Großgebäude, die heute kaum noch genutzt werden oder bei denen das Geld für eine sinnvolle Nachnutzung aufgrund hoher Betriebskosten fehlt. Zwar ist ein Rückbau der Sportstätten vorgesehen, ob aber zum Beispiel ein Olympiastadion in Hamburg überhaupt gebraucht wird, ist umstritten.

15. Gibt es Widerstand gegen die Bewerbung Hamburgs und wie kann ich mich daran beteiligen?

Ja, Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen haben sich zum NOlympia-Hamburg-Bündnis zusammengeschlossen und versuchen, eine Bewerbung Hamburgs zu verhindern. Sie wollen eine Kampagne initiieren, um das geplante Referendum zu gewinnen. Nähere Informationen und Möglichkeiten, sich zu beteiligen findet man unter etwasbesseresalsolympia.org