„Was braucht der Stadtteil Mümmelmannsberg?“

Rückblick auf die Veranstaltung in Mümmelmannsberg am 02.12.2014

 

Am Dienstag versammelten sich, trotz kalt-düsterem Winterwetter, rund 50 Teilnehmerinnen im Konferenzraum der Stadtteilschule in Mümmelmansberg.

 

Moderiert von Anne Pelzer  eröffnete Mehmet Yildiz, Sprecher der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE für Kinder und Jugend  die Veranstaltung mit einem kurzen Blick auf den Untersuchungsausschuss zum Fall  der kleinen Yagmur, um dann den Bogen zu der sozialen Situation in Hamburg, der Spaltung in Arm und Reich und den Kürzungen im öffentlichen Bereich zu schlagen.
 Denn obwohl hier im Stadtteil 18.500 Menschen und überdurchschnittlich viele Kinder leben, wurde die Zweigstelle der Allgemeinen sozialen Dienste vor Ort geschlossen.  Auch ein Kinderarzt fehlt.
Jedes zweite Kind muss hier von Sozialhilfe leben, hingegen in Blankenese nur jedes Hundertste.

 

Daran anknüpfend schilderte dann Manfred Neuffer, Professor Dr. für Erziehungswissenschaften und Sozialarbeit, aus wissenschaftlich und lebenserfahrener Sicht, was es braucht ein Kind großzuziehen. Als Ausgangspunkt nahm er der den Artikel 1. des Kinder - und Jugendhilfegesetzes  (KJHG) in dem es heißt:

 

1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) formuliert die Grundsätze für die Kinder- und Jugendhilfe. Er lautet:



 

§1 KJHG Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe

 



(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.

 


(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die Gemeinschaft.


 

(3) Jugendhilfe soll zur Verwirklichung dieses Rechtes insbesondere
:

 

1. junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligung zu vermeiden oder abzubauen. 
2. Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen 3. Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen,
; 4. dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.

 

Von diesem Ausgangspunkt wurde aufgerollt, was Kinder für ihr Aufwachsen brauchen, aber auch , was Eltern benötigen, um Ihre Kinder demgemäß aufzuziehen, denn die erste Aussage von Prof. Dr. Neuffer war: „ Was Kinder brauchen ist die Liebe ihrer Eltern“.  Dass Eltern oft im Alltag mit Kindern Unterstützung, Hilfe und Entlastung benötigen,  wurde durch die Beiträge von Institutionen bzw. AkteurInnen  aus dem Stadtteil bestätigt. So berichtete die Leiterin des Eltern-Kind Zentrums, dass die psychosozialen Probleme der Eltern zunehmen und es dringend schneller Zugänge zu Therapie und Beratungsstellen geben muss, da die manchmal fast einjährigen Wartezeiten zu lang und unzumutbar für Menschen in Not ist. Umso mehr fehlt die Zweigstelle der Allgemeinen sozialen Dienste vor Ort, mit denen früher schnell, niedrigschwellg  und unbürokratisch Probleme schon im Ansatz bei einer Tasse Kaffee gelöst werden konnten.

 

Auch der Leiter der Jugendetage kritisierte den Stellenabbau in der offenen Jugendarbeit, die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen vor Ort und erwähnte, dass die Belastungen für Eltern enorm sind. Oftmals aufgerieben von mehreren schlechtbezahlten Jobs bliebe ihnen zu wenig Zeit und Energie für Ihre heranwachsenden Kinder.

 

Der Vorsitzende des interkulturellen Vereins bemängelte fehlende Räumlichkeiten und Orte für  BewohnerInnen und Vereine, so dass es manchmal kaum möglich ist sich zu treffen und zu organisieren. Entscheidend  war in dieser Veranstaltung jedoch, dass die Teilnehmerinnen zu Wort gekommen sind und Ihre Eindrücke, Veränderungswünsche und Kritik benennen konnten. Diese Gelegenheit gab es im nun erfolgenden Worldcafe´,  bei dem alle TeilnehmerInnen in wechselnden Gruppen Fragen  diskutierten wie:

 

Welche Probleme gibt es im Stadtteil?
Was soll sich ändern?
Wer und wie sollte beteiligt werden?
Was kann man persönlich zur Verbesserung der Situation im Stadtteil beitragen?

 

Die dann im Plenum vorgestellten Ergebnisse wiesen ein breites Spektrum auf.

 

Probleme gibt es im Bereich der mangelnden sozialen Infrastruktur, der fehlenden Perspektive und Orientierung  für Jugendliche,  dem nebeneinander statt miteinander der vielen Nationalitäten.

 

Religiöse Extremisten, die die Schüler ansprechen, wurden ebenso als Problem genannt, wie exzessiver Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen, mangelnde Schulpsychologen, die mit der Vielfalt ihrer Schülerschaft überforderten Lehrer und auch hier : Der fehlende Allgemeine soziale Dienst vor Ort.

 

Es besteht zudem der Wunsch nach mehr Begegnungsstätten, Cafes,  Restaurants, Parkbänken, öffentliche und  kostenfreie Toiletten, unabhängige  Räume für Initiativen und Veranstaltungen.  

 

Die ganze Palette der vielfältigen aufgezeichneten Ideen und Wünschen wird noch als Folgebeitrag ins Netz gestellt werden.

 

Deutlich wurde, dass es noch viel Potential gibt sowohl an Menschen als auch Ideen in diesem Stadtteil.

 

Mehmet Yildiz versprach in seinem Schlusswort all die Kritik und Wünsche und Ideen der MümmelmannsbergerInnen immer wieder in die Debatten der Bürgerschaft als O-Ton einzubringen.

 

Das könnte sicherlich in einigen konkreten Wünschen erfolgversprechend sein, denn „steter Tropfen höhlt den Stein“.