26. Juli 2012 Torsten Löser

80 Jahre Altonaer Blutsonntag - Lesung und Gespräch mit Robert Brack

Christiane Schneider und Robert Brack

Christiane Schneider und Robert Brack

„Es ist an der Zeit, den 16 unschuldigen Opfern des Altonaer Blutsonntags vom 17. Juli 1932 endlich die angemessene Ehrung zuteilwerden zu lassen“, so beendete  Robert Brack die Lesung aus seinem Buch „Blutsonntag“ am 25. Juli 2012 im Bürgersaal des Hamburger Rathauses. Eingeladen zu dieser Lesung hatte Christiane Schneider, Bürgerschaftsabgeordnete, und über 30 Hamburgerinnen und Hamburger folgten dieser Einladung.

Sie gingen gemeinsam mit dem Autor auf eine spannende Spurensuche. Die Hauptperson des Romans, die junge Kommunistin Klara Schindler, führt die Leserinnen und Leser zu den verschiedenen historischen Schauplätzen dieses Blutsonntages vor 80 Jahren.

Dabei beließ es Robert Brack nicht bei den bekannten Fakten. Für ihn steht im Vordergrund, dass die Stadt Hamburg noch immer nicht willens ist, die Verantwortung für die Opfer dieses Blutsonntages zu übernehmen, obwohl längst erwiesen ist, dass die Polizei die 16 Menschen getötet hat. Zwar sind die Todessurteile von 1933 gegen vier Kommunisten aufgehoben, zwar gibt es für sie Orte des Gedenkens, aber die Namen der 16 Toten sind weitgehend unbekannt, und nach einem Ort des Gedenkens für sie sucht man vergebens.

Und natürlich wurde in der Diskussion um den Altonaer Blutsonntag auch Bezug genommen auf die aktuellen Geschehnisse um den Naziaufmarsch am 2. Juni 2012 und den teilweise völlig überzogenen Polizeieinsatz.
Damals wie heute stellt sich die Frage: Ist Widerstand gegen Nazis legitim? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussion beantworteten diese Frage mit einem klaren „Ja“. Robert Brack machte auch deutlich, dass es eben auch darum gehen müsse, Polizistinnen und Polizisten auszubilden, denen auch solche Ereignisse wie die des 17. Juli 1932 im Gedächtnis sind und die ein Verständnis für die Notwendigkeit antifaschistischen Widerstandes entwickeln.

Am Ende sicherte Christiane Schneider zu, dass die Linksfraktion in der Bürgerschaft aktiv werden wird, damit ein Erinnerungsort für die 16 Toten des 17. Juli 1932 in Hamburg geschaffen wird.

Lektüreempfehlung: Robert Brack, Blutsonntag, Edition Nautilus, Hamburg 2010, 13,90 €