8. Mai 2015

Diskussion zu Griechenland: „Deutschland muss Entschädigungen zahlen“

Die anhaltende Krise in Griechenland bewegt auch in Hamburg viele BürgerInnen. Mehr als 550 HamburgerInnen folgten am 2. Mai der Einladung der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft und der Linksfraktion im Europaparlament, um über das Thema „ Reparationen, Zwangsanleihen und ein würdiger Weg aus der Krise für die Bevölkerung in Griechenland“ zu diskutieren.

Als besonderer Gast war Manolis Glezos ins Rathaus gekommen. Der Grieche erklomm am 30. Mai 1941 die Akropolis und riss die dort gehisste Hakenkreuzfahne herunter, ein Signal des Widerstands für viele seiner Landsleute. Mehrere Inhaftierungen, Folter und Todesurteile in den folgenden Jahrzehnten brachten Glezos nicht von seinem Weg ab. Heute ist er das älteste Mitglied des Europaparlaments und einer der bekanntesten Kämpfer für eine Lösung der griechischen und europäischen Krise.

Ein Zeichen gegen das geschehene Unrecht

Zusammen mit Glezos sprachen Schauspieler Rolf Becker, Aktivist Martin Klingner, Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke und Bürgerschaftsabgeordneter Martin Dolzer über Möglichkeiten die griechische Wirtschaft zu stärken und der Bevölkerung zu helfen. Sehr deutlich wurde vom gesamten Podium die Forderung erhoben, dass die Bundesregierung und deutsche Konzerne nach 70 Jahren endlich bereit sein sollten die laut griechischem Rechnungshof 278,7 Milliarden Euro betragenden Entschädigungszahlungen Deutschlands für die in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs begangenen Nazi-Verbrechen zu leisten.

Manolis Glezos verdeutlichte die Verantwortung deutscher Konzerne für die Zerstörung der griechischen Industrie und das von den Nazis begangene Unrecht. „Ich freue mich, dass so viele aufrechte Menschen hierher gekommen sind, um gegen das geschehene Unrecht ein Zeichen zu setzen. Ihr seit eigentlich nicht wegen mir hier, sondern weil ihr Eurem Gewissen folgt,“ so der EU-Abgeordnete.

Europaweite Solidarität

Die Bundesregierung sieht das bisher anders: Ulla Jelpke skizzierte, dass die Linksfraktion im Bundestag kontinuierlich auf die Leistung der Reparationsforderungen sowie die Rückzahlung von Zwangsanleihen die Griechenland von den Nazis aufgenötigt wurden, drängt. „Die Bundesregierungen haben sich aber immer wieder geweigert dieser Verantwortung gerecht zu werden,“ kritisiert die Politikerin. Der Bürgerschaftsabgeordnete Martin Dolzer ergänzt: „Die Austeritätspolitik wird Griechenland weiter aufgezwungen, alle Lösungsvorschläge Syrizas geblockt – obwohl Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und weitere Länder Europas hauptsächlich durch die expansive Exportpolitik Deutschlands und die erzwungene Spar- und Kürzungspolitik in den Ruin getrieben wurden“.

Einen Wandel in der Griechenlandpolitik, so waren sich alle einig, könne man nur durch europaweite Solidarität erreichen. Rolf Becker betonte dabei die Notwendigkeit gewerkschaftlicher und betrieblicher Aktionen, um mehr Druck auf Bundesregierung und die EU auszuüben. Was heute die Troika heute in Griechenland anrichte, drohe uns morgen.

Am Ende waren sich VeranstalterInnen und BesucherInnen einig: Es gibt für Griechenland einen Weg aus der Krise! „Es hat sich gezeigt wie viele Menschen dem Europa der Konzerne eine solidarische Perspektive entgegensetzen wollen“, kommentierte eine Besucherin am Ende der Diskussion.