21. Mai 2015

Pressespiegel: Diskussion über Olympia im taz-Salon

von Ralf Roletschek via Wikimedia Commons

Im taz-Salon diskutierte Heike Sudmann, Sprecherin für Stadtentwicklung und Wohnen, über die Hamburger Olympiabewerbung. Hier die Reaktionen der Presse auf die Debatte:

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2015

Zahlen sollen sprechen

Es war ein schwerer Abend für Michael Vesper, und das lag nicht nur an seiner lädierten Stimme. Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war nach Hamburg gekommen, um für die Idee der Olympischen Spiele und Paralympics 2024 in der Hansestadt zu werben. Dass er auf eine gut vorbereitete und diskussionsfreudige Gegnerschaft treffen würde, dürfte Vesper klar gewesen sein - zum Abend unter dem Motto "Olympia - Traum von Gold oder Traum vom Geld?" hatte die "taz" eingeladen. Der Ort der teils turbulenten, aber immer fairen Diskussion war im "Kulturhaus 73" gleich neben dem linksautonomen Zentrum "Rote Flora" keiner, der im Verdacht steht, überbordende Olympia-Begeisterung zu verströmen. Das war auch am Ende der zweistündigen Redezeit erkennbar: Die deutliche Mehrheit unter den etwa 150 olympiakritischen Besuchern im Saal hob die Hand, als gefragt wurde, wer "absolut gegen" Olympische Spiele in der Stadt sei. Als es um die Befürworter ging, gab es nur zwei Meldungen - vom Podium. Dort saß neben Vesper der neue Hamburger Sport-Staatsrat Christoph Holstein. Laut und meinungsstark wurde es vor allem, als es um das für den 29. November geplante Referendum ging. Die Gegner der Olympischen Spiele und Paralympics in Hamburg wollen eine spätere Befragung der Bevölkerung als die derzeit vorgesehene. Zu ihnen gehört der Sprecher der Formierung "(N)Olympia", Michael Rothschuh. Er schlug Ende 2016 als neuen Termin vor. Heike Sudman, Bürgerschaftsabgeordnete der Partei "Die Linke" war dafür, erst abstimmen zu lassen, wenn "wirklich belastbare Zahlen" über die Kosten der Bewerbung und Durchführung der Spiele auf dem Tisch lägen, keine Schätzungen. Allerdings wird der Zeitdruck, der auf der Bewerbung liegt, eine Verschiebung ins nächste Jahr hinein kaum zulassen. Staatsrat Holstein versprach, dass vor dem Referendum konkrete Zahlen zu den Kosten veröffentlicht sein werden, damit sich jeder ein Bild machen könne. Zudem soll der sogenannte Host-City-Vertrag, der Ausrichtervertrag zwischen Hamburg und dem IOC, Mitte September veröffentlicht werden. Darin ist enthalten, was das IOC von Hamburg erwartet und verlangt. Vesper sagte abschließend: "Wir wollen ein Referendum weit oberhalb von 64 Prozent, um dem IOC zu zeigen, wie groß der Rückhalt in der Bevölkerung ist." Es wird sicher auch Hamburger Diskussionsabende geben, in denen die Meinung im Saal sich eher dieser Zahl annähert.

 

DER TAGESSPIEGEL, 21.05.2015

Hamburg 2024: Volksentscheid später?

Die Gegner von Olympischen Spielen in Hamburg wollen die Befragung der Bevölkerung später als derzeit vorgesehen. Bei einer Diskussionsveranstaltung der "taz" am Dienstagabend sprachen sich die Vertreter der Bürgerschaftsfraktion der Linken und der Initiative (N)Olympia dafür aus, vom geplanten Termin am 29. November abzurücken. Die Linke-Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann will erst abstimmen lassen, wenn "wirklich belastbare Zahlen" über die Kosten der Bewerbung und der Durchführung Olympischer Spiele 2024 oder 2028 in der Hansestadt vorhegen würden. (N)Olympia-Vertreter Michael Rothschuh schlug Ende 2016 als neuen Termin vor. Im Kulturhaus 73, in unmittelbarer Nähe des linksautonomen Zentrums "Rote Flora", hatten Hamburgs Sport-Staatsrat Christoph Holstein und Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), vor gut 150 überwiegend olympiakritischen Besuchern der Veranstaltung "Der Traum von Gold - Olympische Spiele in Hamburg" für die Großveranstaltung in der Hansestadt plädiert. Holstein sagte zu, dass vor dem Referendumstermin im November konkrete Zahlen zu den Kosten veröffentlicht sein werden. Auch der sogenannte Hostcity-Vertrag mit dem IOC soll publik gemacht werden.

 

die tageszeitung, 21.05.2015

Stadtentwicklung von ganz oben

Ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) der bessere Stadtentwickler? Fast hätte man das glauben können, wenn man am Dienstagabend im taz Salon Michael Vesper vor rund 150 Zuhörerlnnen sprechen hörte, den Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Was gibt es Nachhaltigeres, als eine zu 97 Prozent versiegelte Fläche im Hafen zu entsiegeln und dort einen neuen Stadtteil zu bauen?", fragte er. Die Olympischen Spiele als Katalysator würden das beschleunigen, genau wie den Ausbau der Verkehrs infrastruktur. Michael Rothschuh vom Bündnis "Nolympia" hielt dagegen, es würden keine zusätzlichen Wohnungen durch Olympia gebaut, denn in Wilhelmsburg würden Wohnungsbauflächen als Ausweichflächen für Gewerbebetriebe vorgesehen, die für den Bau des Olympischen Dorfes auf dem Grasbrook verlegt werden müssten. Die Linken-Abgeordnete Heike Sudmann nannte die "Host-City-Verträge", die das IOC mit den Ausrichterstädten schließt, "sittenwidrige Knebelverträge", weil sie festlegten, welche Leistungen die Stadt zu erbringen habe, ihr aber alle Risiken aufbürdeten. Sport-Staatsrat Christoph Holstein (SPD) versprach, der Vertrag und eine erste Kostenschätzung werde vor der Volksabstimmung vorliegen. Dass noch keine Zahlen vorliegen, rechtfertigte er mit dem Elbphilharmonie-Desaster: "Es ist wichtig, dass man sich nicht wie bei Konzerthäusern besoffen vor Euphorie in etwas hineinstürzt, sondern die Nerven hat, das auszurechnen." Rothschuh und Sudmann forderten, das für den 29. November geplante Referendum zu verschieben, bis "wirklich belastbare Zahlen" über die Kosten und die Durchführung vorliegen würden. Vesper räumte ein, dass später mehr Informationen vorliegen würden. Die Erfahrung zeige aber, dass man mit einer Bewerbung "nur eine Chance hat, wenn man sich voll reinhaut". taz-Chefredakteur Andreas Rüttenauer forderte vom IOC den Beweis anzutreten, "dass Spiele ohne Einschränkungen der Bürgerrechte möglich sind!" Sonst sei es der Spaß nicht wert.